Nicht nur eine Straßenbezeichnung in der Nähe des Parlaments, sondern auch der Name eines der besten Restaurants in Stockholm, das "
F12". Danyel Couet und Melker Andersson zeichnen hier verantwortlich und bringen ausgesprochen gute Küche auf den Tisch. Ich würde es als solides Handwerk mit großem Geschick für Geschmacksnuancen nennen. Ein wenig mehr Innovation hätte ich mir gewünscht, war ich doch von
Katha´s Noma-Berichten angestachelt, nur, zu dieser Performance hat es im F12 nicht ganz gereicht.
Aber beginnen wir von vorne...
Das Ambiente des Lokals: moderne Klassik mit hellen, frischen Farben. Sehr gedämpftes Licht (was mir allerdings in anderen Lokalen auch auffiel). Mögen es die Stockholmer gerne schummrig?
Service: Junges, kompetentes und ausnehmend freundliches Personal, das sich über Gebühr bemüht, einen schönen Abend zu garantieren. Unser Tischkellner und Weinexperte war große Klasse!

Das Menü: Wir entschieden uns für das 11-gängige Degustationsmenü, das unter dem schönen Motto "Erntedankfest" stand, inklusive Weinbegleitung. Aus der Weinbegleitung wurde ein richtig lustiges Ratespiel. Zu jedem Gang galt es eine Weinsorte zu probieren, wobei dieser ohne Etikett eingeschenkt wurde. Erst beim nächsten Gang wurde der vorherig servierte Wein dann aufgelöst. Wir hatten viel Spaß dabei (beim raten und beim trinken sowieso) und unser Kellner auch ,-).
Nun aber zu den einzelnen Gängen: (sorry, für die miesen Fotos, meine Cam hat das Schummerlicht leider nicht gepackt)
Maine Lobster & Sugar Corn
(Stückchen von Hummer (ah, so schmeckt der also) mit caramellisiertem Popcorn und einem Tupfen Mais-Eis) ..dabei fällt mir ein: war schon mal jemand beim Maine-Lobster-Festival?
Weinbegleitung: Saint Aubin 2007, Pierre Yves Colin-Morey, Burgund, Frankreich
Gleich mit einem so starkem, dichten Wein zu beginnen, hat mich überrascht, aber es hat wirklich gut gepasst. Das Mais-Eis war ungewöhnlich. Man erwartet Süße und da kommt aber keine.

Autumn Onion "Soup a l´ognion" with champagne crouton
(Handwerklich einwandfreie Zwiebelsuppe, aber kein "aha")
Weinbegleitung: Mersault Rouge 2005, Domaine Thevenot-Machal, Burgund, Frankreich
kein Foto
Duck Liver from the Basque Provinces & Pumpkin
(Wundervolle Entenleber mit caramellisierter Gerste und frittierten Kürbiswürfeln)
Weinbegleitung: Sercial 5 yrs. Cossart Gordon, Madeira, Portugal
Wieder ein recht kräftiger, fast an Vermouth erinnernder Wein

Truffle from Gotland with Cauliflower and Jerusalm Artichoke
(müsste eigentlich Karfiol und Topinamburwürfel (ich hielt es für Artischocke, danke Eline) mit schwedischer Trüffel heißen)
Weinbegleitung: Spätburgunder 2007, Meyer-Näkel, Deutschland
kein Foto
Wagyu 11+ & Artichoke with thyme pearls and shredded Tomato
(erstklassiges, wie Kobe Rindfleisch!)
Weinbegleitung: Allende Bianco 2007, Finca Allende, Rioja, Spanien

Pike-Perch from Lake Hjälmaren & Chervil Root
(saftig gegarter schwedischer Zander in Lardo gewickelt und gebraten mit einer feinen Kerbel-Limetten-Sauce)
Weinbegleitung: Wachenheimer Gerümpel Riesling 2007, Dr. Bürklin-Wolf, Pfalz, Deutschland
Schon wieder ein Deutscher! Ich habe mich aber dadurch trösten lassen, dass auf der Weinkarte unglaublich viele Österreicher drauf standen, nur beim Menü kam keiner vor. Aber es waren gute Deutsche Weine, muss man wirklich sagen ;-)

Young red deer from Brokinds Farm with burnt hay, forest mushrooms and cabbage
(zartes Hirschsteak auf Kohl mit Pilz-Würstel, die mir ein bisschen zu würzig waren)
Weinbegleitung: Les Terasses 2006, Alvario Palacios, Priorato, Spanien

Fourme d´Ambert with pear and roastet walnuts
(wundervoller französischer Käse unter einem Birnen-Geleeblatt versteckt)
Weinbegleitung: Torcolato 2006, Maculan, Veneto, Italien
Wieder recht süß, aber passte wunderbar.

Lollipop with elderberry
(kleiner Eislutscher mit Hollundersorbet und weißer Schokolade überzogen)

Dark chocolate cream "Surprise" with arctic bramble
(Klassisches Mousse im Schokomantel mit Brombeeren, für mich waren es aber Himbeeren)
Weinbegleitung: Edes Elet 2003, Árvay & Co, Tokaj, Hungary

Vanilla Pudding with rosehip
(kleines Creme Caramel-Eckchen mit einer kandierten Hagebutte)
kein Foto
Davor gabs noch: Wildschweinpastete mit kleinen Brotsticks im Sackerl
alle Bilder: © ElljaDabei gabs noch: Gesalzene Butter mit vielen guten Broten
Danach gabs noch: hausgemachte Pralinen
Und wir haben alles alles aufgegessen :-)! Wir waren nach diesen allen Gängen wirklich, ja wirklich satt, erfüllt, glücklich und betrunken!
Es war ein schönes Erlebnis, wenn mir auch die eine oder andere Rafinesse gefehlt hat. Auch mehr Regionalität hätte mir gut gefallen. Die Desserts hätte ich nicht mehr gebraucht, sie waren kein Höhepunkt. Aber empfehlen kann ich einen Besuch im F12 in jedem Fall...
... und so torkelten zwei glückliche Seelen durch das nächtliche Stockholm Richtung Bettstatt mit roten Backen und glänzenden Augen... God Natt!