2010/03/29

Nicht auf Rezept!



Oft sind es die schnell zusammen gerührten/geschnippselten/gebratenen/improvisierten und aus dem Bauch heraus gemachten Sachen (Gerichte traut man sich eh fast gar nicht dazu sagen), die einem dann auch am allerbesten schmecken. Es gibt kein Rezept dafür, und beim nächsten Mal wirds auch wieder ein bisserl anders, weil man noch das und das hinzu fügt oder das und das weglässt... schnelle Antipasti, Jause, Snack, kleine Abendmahlzeit... alles eben, was kein richtiges Rezept wert zu sein scheint, weil es so schnell geht und - der eigenen Fantasie entsprungen - auch nicht wirklich aufwändig genug erscheint.

Aber all diese Nicht-Rezepte haben ebenso ihren Platz verdient. Sie machen uns das Leben schöner und - was seeeehr wichtig ist - auch leichter.

Sehr oft, wenn ich wieder mal so richtig im Kochtaumel bin, die Perfektionswut gar kein Ende nehmen will, ich merke, wie ich mehr und mehr in eine richtigehende Kochhysterie abgleite, ein bisschen an Boden verliere, abzuheben gerate, die Erbsen eckig schneiden will.... ja dann, dann hilft genau so ein "Gericht ohne Rezept", um mich runter zu holen, Abstand zu gewinnen und mir zu sagen: "Hey, übertreib jetzt mal nicht. Das einzige, um das es geht, ist der Genuss und um einen ehrlichen, guten Geschmack". Die Großartigkeit einfacher Dinge feiern, aber nicht eine Götzenkult um alles machen.

Und darum taufe ich meine, alle diese Gerichte auf den Namen "Kleine Essen großer Momente":


Büffelmozarella mit frischen und getrockneten Tomaten


Baguette mit Sauce Bolognese und gebratenen Zwiebeln, überbacken mit Taleggio


Bruscetta mit Bratkartoffeln



alle Bilder: © Ellja

Weiße Bohnen-Creme mit Salami und Parmesan

2010/03/27

Lieblingsfrühstück




Das wechselt ja so alle paar Wochen. Aber im Moment ist das hier mein absolutes Lieblingsfrühstück. Es stellt für mich die perfekte Versorgung für einen langen Tag dar:

Quinoabrei mit Birne, Joghurt und karamellisierten Pistazien

Darf ich schwärmen?

Der wärmende, süße mit Zimt versetzte Quinoa, die saftigen, kühlen Birnen, das erfrischende säuerliche Joghurt, die klebrig-süßen Pistazien.... wie perfekt kann ein Zusammenspiel nur sein?



alle Bilder: © Ellja


Zubereitung morgenmuffelfreundlich: Quinoa in halb Wasser/halb Milch, Zimtstange, Nelken, Piment und Prise Salz weichkochen. Den Brei noch warm in eine Schüssel füllen, mit geschnittenen Birnen, Klacks Sahnejoghurt und in Karamell gewälzten Pistazien servieren.

Also weniger Aufwand für soviel Geschmack geht ja fast gar nimmer mehr, oder?

Jetzt bin ich aber schon sehr gespannt, zu erfahren, was denn im Moment euer Lieblingsfrühstück ist? Erzählt doch mal!

2010/03/24

Zen-Kost für Nicht-Trommler




Der traurige Anblick meiner leeren Schalen-Staffel sagte mir:
Es war wieder mal an der Zeit in meinem neuen Lieblingskochbuch zu stöbern und von den
88 Köstlichkeiten mindestens 2 auf den heimischen Tisch zu bringen.

Ich entschied mich dieses Mal für:

Geschmorter Schweinebauch mit Ingwer




Gebratene grüne Chili mit Knoblauch (hot!)



und Klebreis mit Erdnuss-Sesam-Schrot







Also dann: erstmal die grünen Chillis schnippeln, mit frischem gehackten Knoblauch vermengen und im Wok mit Sojasauce, etwas Palmzucker und Erdnussöl braten ...



Die Erdnüsse und den Sesam rösten und stampfen...


Das geschnittene und vorgekochte Fleisch anbraten, mit Ingwerscheiben, heller Sojasauce, ShaoXingWein und schwarzem Reisessig, ca. 1 Stunde schmoren ...




nach 10 Minuten ...



nach 40 Minuten... schon viel besser!



und ab ins Schälchen...




Leider haben wir das Bier dazu vergessen. Aber ein guter chinesischer Film tut´s auch:

alle Bilder: © Ellja

Danach will man sofort nach China aufbrechen. Und endlich mit der Natur eins werden. Und außerdem zu den Zen-Trommlern überlaufen. Yin und Yang verstehen lernen. Ein besserer Mensch werden. Und überhaupt die Welt zu einem viel besseren Ort machen. Oder wenigstens davon träumen.

2010/03/21

Aloo Gobi


Bild: © Ellja

Karfiol-Kartoffel-Curry kann man auch dazu sagen, oder auf gut deutsch: Blumenkohl!
Im Gegensatz zu den fleischigen Verwandten finde ich dieses Curry ja ein klein wenig langweilig, aber wo kein Fleisch ist, da sind ja Nüsse... geröstete Cashewkerne gaben dem Gericht so den kleinen Anstupser. Und dann wars richtig fein.

Jetzt bleibt nur noch die Frage: Warum kochen wir das immer rein zufällig Sonntag Abends?
Vielleicht, weil wir den Rest des Wochenendes so gevöllert haben? ... ich weiß es nicht ;-).

Das Rezept variiert immer ein bisschen, so nach Lust und Laune, aber was natürlich nie fehlen darf: Karfiol, Kartoffeln, Tomaten, indische Gewürze (Garam Marsala). Die Gewürze werden erst mal trocken in einer Pfanne angeröstet und dann Zwiebel, Knoblauch und Ingwer zur Paste verarbeiten und mitrösten. Das ist die Grundlage, dazu kommen dann die Tomaten und das restliche Gemüse. Curcuma war dieses Mal leider aus, ist aber eigentlich ein Muss.

Und um den indischen Abend zu vollenden, geht man mit "Der Gott von Bombay" ins Bett.

2010/03/18

Kalb + Kalb macht 3






Da passte mir Claudio wieder mal genau ins Konzept. Kalbsfond-Kochen und dabei noch mehr rausschlagen. In meinem Fall sogar 3 Varianten... soviel Effizienz gefällt mir.

Erstmal wurde der Kalbsfond zubereitet. Die Suppe gabs gleich mal mit etwas Fleisch, Nudeln und Gemüse als Einlage, wie immer (Variante 1).
Und dann kamen die Ravioli mit Kalbfleischfüllung (Variante 2) dran:

Das Kalbfleisch vom Knochen lösen und klein zerteilen oder zerschneiden.
Sellerie, Karotten, Knoblauch und Schalotten klein schneiden, in Butter mit etwas Tomatenmark anrösten, mit Schuss Weißwein weichdünsten.
Das Fleisch mit dem Gemüse und einem Ei, ein wenig Parmesan, Salz, Pfeffer, Petersilie und frischem Majoran vermengen.

Ravioliteig zubereiten und ganz dünn auswalken bzw. durch die Nudelmaschine laufen lassen.

Mit einem Löffel kleine Häufchen auf den Teigbahnen platzieren und die Ränder mit Wasser und Finger leicht befeuchten, Bahn umklappen, Ränder andrücken und mit einem Teigrad Ravioli daraus schneiden.

Die Ravioli in kochendem Salzwasser gerade mal 4 Minuten kochen. Dann in Butter mit Salbei schwenken und etwas Kalbsfond beimengen.
Sofort essen! Alles andere wäre Sünde...

alle Bilder: © Ellja

Die übrigen Ravioli gabs dann am nächsten Tag noch in der Suppe, wie Maultaschen (Variante 3).

Und auch das war richtig so. Denn, so wie so, war alles einfach nur saugut. Kapiert? ;-)

2010/03/16

Kommt ein Friese in die Backstube ...



Die Friesen sind bekannt für ihre Witze, ihren nordischen Charme, windige Dünen an der rauhen See, ja und natürlich Otto Waalkes, den Blödel der Nation.

Aber all das haut mich nicht so um, wie das, was man bei denen als "Friesentorte" zum Nachmittagskaffee bekommt. Luftiger Blätterteig, intensive Powidl (Pflaumen)Marmelade, gehackte Nüsse und Schlagobers. Da kann ich nur gratulieren, liebe Ostfriesen!

In Selbstbauweise habe ich die Friesentorte zu Friesentörtchen dezimiert, was eigentlich Blödsinn war, weil wir dann ohnehin jeder 2 Stück davon verdrücken mussten.

Aber sehr schön sahen sie aus, die Minis aus dem Friesenland...



alle Bilder: © Ellja

Und hier gehts zum Selbstbaukasten meiner "Friesentörtchen":

Zutaten:
frischer Blätterteig (Fertiger geht natürlich auch)
Powidlmarmelade (Pflaumenmus)
Prise Zimt
Schuss Rum
Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse, …)
Zucker
Schlagsahne


Zubereitung:
Aus dem Blätterteig Kreise stechen (mind. 2 pro Stück), mehrmals mit einer Gabel einstechen und im Backofen goldbraun backen (etwa 10 – 15 Minuten bei 160 Grad).

Powidlmarmelade mit Zimt und Rum erwärmen und zu einer glatten Masse rühren.
Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

Schlagobers mit Zucker (nach Belieben) und etwas/wenig Rum steifschlagen.

Zucker in einer Pfanne/Topf karamellisieren lassen, nur ganz leicht bräunen, sofort von der Platte ziehen, ganze Nüsse darin wälzen und auf ein Backpapier legen, auskühlen. Dann einfach in grobe Stücke schneiden/hacken.

Aufbau:
1. Blätterteig-Kreis
2. Powidlmarmelade, schön dick bestreichen
Gehackte Karamell-Nüsse
Schlagobers, auch nicht sparen
Blätterteigkreis
Dick mit Staubzucker bestäuben!

Am besten sofort servieren!

Es ist die ideale Mehlspeise für eine schnelle Kaffeetafel, einfach herrlich, köstlich, göttlich!!!!

2010/03/11

In den Suppentopf linsen




Heute mal eine Suppe, ja, aber eigentlich ist es mehr ein Eintopf, darum mag ich ihn/sie auch so sehr. Das weiße oben drauf ist kein Mozarella, nein, das ist pochiertes Ei. Und das passt auch ganz wunderbar dazu. Also nicht drauf vergessen.
Übrigens: Beim Eier-pochieren gibts wohl immer wieder Problemchen bei dem einen oder der anderen. Aber ich lege das Ei einfach in eine tiefe Suppenkelle und tauche diese dann ins sprudelnde Wasser, einmal einen schönen Drehknick machen, damit das Eiweiß richtig gut umhüllt, und das wars auch schon.
Jetzt aber ran an den Suppentopf:

Rote Linsensuppe mit Chorizo

Einkauf:
1 Zwiebel, sehr fein geschnitten
2 Tassen rote Linsen
2 Karotten, sehr klein geschnitten
1 Dose Tomaten, zerhackt
2 Lorbeerblätter
1 Stange Sellerie, klein geschnitten
1 Knoblauchzehe, fein hacken
1/2 Stange Porree, in Ringe
3 Thymianzweige
2 Tassen Hühnerbrühe
Chorizo in Scheiben geschnitten (nach Belieben)
Salz, Sechuan-Pfeffer
1 Handvoll gehackter Petersilie
So gehts:

In einem Topf Olivenöl erhitzen und die Zwiebel darin glasig braten. Linsen, Sellerie, Knoblauch, Thymian dazu geben und weitere 3 Minuten anschwitzen, ohne zu braun zu werden. Nun die Dosentomaten, die Karotten, den Porree, das Lorbeerblatt, die Hühnerbrühe und die Chorizoscheiben beimengen. Mit Salz und Sechuanpfeffer würzen. Anschließend etwa 20 - 30 Minuten köcheln lassen, sodass sich alle Aromen schön miteinander verbinden. Kurz vor Ende noch die Petersilie untermischen.



alle Bilder: © Ellja

Jetzt noch die Eier pochieren und auf die Suppe setzen. Fertig!
Und weil es im Moment hier noch immer schneit, kalt ist wie sonst was, ich meine Handschuhe wieder aus dem Schrank holen musste.. kann ich mich nur noch mit so einem Suppentopf trösten. Schön bunt ist er ja auch, aber nach frühlingshaften Gerichten ist mir grad gar nicht, da fühl ich mich richtiggehend vom Wettergott verscheißert.

2010/03/03

Fleisch, nichts als Fleisch



Gehts euch auch so? Beim Anblick eines wirklich schönen Stücks Fleisch, schlägt mein Herz höher. Das arme Rind, das dafür sein Leben lassen musste, das tut mir nur ganz kurz leid, viel lauter ist die innere Vorfreude, auf etwas .... Fleischiges! Ein schönes Stück Bio-Rostbraten, wie hier auf dem Bild, hat mich deshalb auch verführt, wieder einmal meinen bewährten Zwiebelrostbraten auf den Tisch zu bringen. Und irgendwo hab ich mal was von Zwiebelrostbraten mit Artischocken gelesen, das hab ich gleich mit aufgenommen.

Hier also:

Zwiebelrostbraten mit gebratenen Artischocken




Kaufen:
2 große, schöne Stücke Rostbraten vom Biorind
3 große Zwiebeln
3 Artischocken (Böden rausfunzeln)
Butterschmalz
Mehl
Senf
Salz, Pfeffer
Rinds- oder Kalbsfond
Schuss Sahne

Machen:
Die Rostbratenscheiben von einer Seite in Mehl wuzeln und die andere Seite schön dick mit Senf (Dijon) einmassieren. Das Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und die Scheiben von beiden Seiten anbraten. Nicht anbrennen lassen! Salzen, Pfeffern und kurz aus der Pfanne zur Seite stellen. Den Bratensatz mit etwas Kalbsfond aufgießen und loskochen. Derweil in einer anderen Pfanne die geschnittenen Zwiebelringe in Butterschmalz anbraten und schön bräunen. Diese dann mitsamt dem Fleisch zurück in die Pfanne und noch etwas Kalbsfond hinzu, sodass die Fleischscheiben zu 2/3 bedeckt sind. Jetzt mind. 50 - 60 Minuten leise köcheln/braten. Deckel drauf! 10 Minuten vor Ende nochmal die Sauce abschmecken und einen Schuss Sahne untermischen.

Inzwischen die Artischockenböden zurechtputzen, in Zitronenwasser legen. Kurz vor Ende der Bratzeit die Artischocken klein schneiden und ebenfalls in einer Pfanne gut durchbraten und über den fertigen Rostbraten geben. Bisschen salzen noch.

Das ist spitze! Es gibt dem ganzen noch einmal eine ganz andere, feinere Note!!! Bin begeistert!


alle Bilder: © Ellja


So ein großes Fleisch-Solo verträgt dann noch höchsten ein paar Erdapferl, für Beilagenliebhaber :-).