2010/06/30

Feigentarte


Bilder: © Ellja


Eine Feigentarte mit nussiger Unterlage schwebte mir vor. Und meine Gedanken schweiften schon ab...

... nach Südfrankreich. Ein wundervoller französischer Sommer in einem kleinen Dorf nahe Narbonne. Ein kleines, munteres Flüsschen vor unserem alten Haus, das aus 4 Stockwerken bestand. Allerdings bestand jedes Stockwerk nur aus jeweils einem Zimmer, und jedes Zimmer hatte einen offenen Kamin. Ganz unten war die Küche mit dem so typischen Porzellanbecken. In der Mitte des Raumes ein großer runder Tisch, dahinter der Kamin, ein paar Holzstühle und jede Menge Rotweinflaschen (AOC Corbières). Aus einem kleinen, alten Radio erklangen französische Chansons... sehr kitschig, oder? Aber so war es.... Das Dorf hatte nur einen Bäcker (Warum können unsere Bäckereien nie so duften!), 3 oder 4 Gasthäuser, eine Apotheke, einen kleinen Lebensmittelladen, ein paar Handwerksläden und viele mittelalterliche Gebäude, so wie unser kleines Häuschen eines war.





Eine Freundin aus früheren Tagen lebte dort und hatte in ihrem Garten einen Feigenbaum (vergesst Cicero!), der wundervolle Früchte trug. Noch nie zuvor und auch nachher nicht mehr, habe ich je solche Feigen gegessen. Es mag schon auch an der Umgebung gelegen haben, aber nein, sie waren doch so anders, als diese armseligen saftlosen "Wuzerl", die man bei uns hier zu kaufen bekommt. Groß, wie Äpfel, mit weicher Schale und so saftig, wie die reifsten Birnen. Beim reinbeißen tropfte uns überall der Saft über die Hände und dieser fruchtig, süße Geschmack.... sowas kannte ich vorher tatsächlich nicht.
Seit diesen Tagen kann ich es nicht mehr vergessen, wie gut Feigen schmecken können.


Für meine Feigentarte habe ich natürlich keine solchen Feigen bekommen. Aber wenn man sie bäckt, werden sie saftiger und ich kann mir zumindest eine ungefähre Erinnerung an die Feigen meines französischen Sommers zurückholen.

Rezept:
Mürbteigboden:
250 g Mehl
1/2 TL Salz
110 g Butter
80 ml eiskaltes Wasser

Zutaten schnell zu einem Teig kneten und mindestens eine Stunde im Kühlschrank rasten lassen. Dann etwas Zimmertemperatur annehmen lassen, auswalken und in eine gebutterte Tarteform legen.

Frangipane:
80 g Mandeln
80 g Zucker
80 g Butter (Raumtemperatur)
1 Ei

Diese Zutaten in der Moulinette zu einer streichfähigen Masse mixen. Die Masse auf den Mürbteigboden streichen.

10 - 15 möglichst reife, saftige Feigen

waschen, vierteln und auf die Nussmasse schichten.
Ordentlich mit Zucker bestäuben und bei 180 Grad in den Backofen für ca. 20 bis 30 Minuten.

Die Tarte lauwarm servieren. Am besten mit Topfeneis oder Ziegenkäse, je nach Geschmack.

2010/06/27

Korianderhendl


Bild: © Ellja

Der Webergrill der Schwiegereltern ist was feines. Und ein Hendlgrillrezept aus derselben Küche hat mich vor einiger Zeit alle anderen Hendlrezepte vergessen lassen: Ein Korianderhendl. Was für eine Offenbarung! Nicht nur, dass die Würzung einfach fantastisch war, das Fleisch war darüber hinaus auch so zart und saftig, zum Sterben gut!

Auf dem Webergrill wird das ganze, gewürzte Hendl von unten mit Suppe "bedämpft" und grillt mit Deckel, so bleibt es extra saftig. "Und was auf diesem Grill geht, muss mit Abstrichen ja auch im Backrohr gehen", dachte ich. Denn auf eine erneute Grilleinladung der Schwiegereltern zu hoffen, um dieses köstliche Huhn zu bekommen, erschien mir in zu weiter Ferne. Ich wollte es sofort selbst versuchen.

Das Originalrezept stammt, so glaube ich, aus dem Weber-Grillkochbuch. Ich gebe es hier lt. Schwiegermutter wieder:

1 Huhn
1 Biozitrone
1 EL Zucker, etwas Wasser
Minzeblätter
Korianderkörner, schwarze Pfefferkörner und Meersalz, etwas Olivenöl

Beim Huhn vorsichtig die Haut an der ganzen Brust und den Schenkeln lösen.
Eine Biozitrone in dünne Scheiben schneiden und in etwas Wasser mit einem EL Zucker
ca. 10 Min. köcheln lassen. Im Sud auskühlen lassen.
Danach abtropfen lassen und zusammen mit Minzeblättern und die Haut schieben.

Die Körner mit dem Meersalz im Mörser fein reiben und mit Olivenöl binden.
Mit dieser aromatischen Mischung das Huhn rundum einreiben und auf den Rost legen.
Eine Schale mit Hühnersuppe unter den Grillrost stellen.


Ich habe Hühnerkeulen genommen, weil uns diese ohnehin die liebsten sind. Die Keulen habe ich nach Rezept vorbereitet und gewürzt und dann auf den Rost bei 160 Grad Umluft gelegt. Darunter habe ich - wie empfohlen - eine Schale mit Hühnersuppe gestellt. Nach etwa 40 Minuten waren die Hühnerkeulen fertig, dufteten herrlich und hatten eine schöne knusprige Haut.

Als Beilage gab es Gemüse vom Blech: Kartoffeln, Zwiebel, Fenchel, Süßkartoffeln mit Meersalz bestreut und mit Olivenöl beträufelt.

Fazit: Klare Sache. Der Grill ist unschlagbar. Aber die Backofen-Variante war ebenfalls so ausgezeichnet, dass ich es wieder probieren werde. Die Würzung ist wirklich ausgezeichnet. Das zitronig-minzige unter der Haut und der Hauch Koriander drumherum. Perfekt!
Wir haben nur so vor uns hingeschmatzt.

2010/06/24

Herzensspeise


Bild: © Ellja

Wenn etwas so einfach zu kochen ist und noch dazu so gut schmeckt, dann kann es nur was aus der Erinnerungsküche der eigenen Großmutter sein. Jawoll!

Diese "Tomatennockerl" sind mir einfach eine unglaublich lieb gewordene Herzensangelegenheit, die ich immer wieder mal mache, wenn ich ein wenig Trost brauche, ein wenig Seelenfutter oder wenn ich einfach fast nix mehr im Kühlschrank habe. Schon bei der Zubereitung der Nockerl überkommt mich eine meditative Ruhe. Schließlich will der Nockerlteig (Eier, Wasser, Salz und Mehl) Stich für Stich schön ins kochende Wasser gleiten, um sogleich als luftig,kernige Nockerlgröße wieder aufzutauchen.

Die fertig gegarten Nockerl nehmen dann ein Brutzelbad in der Pfanne mit Zwiebel, Speck, Lauch, Kräutern und vor allem Tomatenmark. Erst die Zwiebel usw. anschwitzen und dann die Nockerl dazu geben, bei wenig Hitze. Alles mit dem Tomatenmark verrühren und langsam weiterbraten, erst nach einigen Minuten verbindet sich das Tomatenmark mit dem Nockerl geschmacklich zu etwas sehr feinem, von Rot zu Orange verändert sich auch der Geschmack, daher bitte Geduld. Zum Schluss salzen und Pfeffern. Parmesan darüber reiben.
Und gleich mit einem grünen Salat servieren.

Hier überkommt mich Wehmut... Danke, liebe Oma, für diese banale und doch so großartige Hinterlassenschaft.

2010/06/21

Mit den ersten Kirschen...


Bild: © Ellja


... nicht aus Nachbars Garten, aber vom Markt musste gleich ein Strudel auf den Tisch!

Ein selbstgemachter ausgezogener Strudelteig ist dabei Pflicht. Ehrlich, ich kann es nicht verstehen, wie jemand gekaufte Strudelblätter für gut befinden kann. Ich kann es mir nur so erklären: Er/Sie hat noch nie selbstgemachten Strudelteig probiert. Denn das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts gemeinsam, weder Geschmack und Textur noch Konsistenz und Struktur.

Darum, liebe Bäckerinnen und Bäcker, ran an den Teig:

Zutaten:
250 g Mehl
3 EL Öl
1 Prise Salz
Wasser

Strudelteig: Aus Mehl, Öl, Salz und Wasser einen glatten Teig herstellen (ordentlich durchkneten). Den Strudelteig mehrmals auf ein Brett schlagen (Luft rausschlagen). Die Teigkugel in Folie wickeln und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Strudelteig erst auswalken und dann sehr dünn ausziehen (über Handrücken). Den ausgezogenen Teig (er sollte durchscheinend sein) auf ein Strudeltuch legen. Die Butter schmelzen und den Teig mit der flüssigen Butter bestreichen. Darauf gleichmäßig Nussbrösel und Zucker aufstreuen, noch ein wenig Zimt darüber, dann die Kirschen darauf verteilen. Mit Hilfe des Tuches den Strudel aufrollen und auf eine gefettetes Blech setzen. Die Teigenden unterschlagen. Die Oberfläche mit flüssiger Butter einpinseln und mit etwas Zucker bestreuen. Im auf 180 °C (Umluft) vorgeheizten Backofen ca. 25 - 30 Minuten backen.

Lauwarm oder kalt - dieser Strudel gleicht einem Gedicht, einer Romanze, einer großen Liebschaft. Man will immer mehr davon, noch mehr. Und es braucht überhaupt keine Begleitung. Vergesst Vanilleeis und Schlagobers. Der Strudel muss pur genossen werden.

2010/06/18

Breakfast-Club


Bilder: © Ellja

Wer mich inzwischen ein bisschen kennt, der weiß: "Die frühstückt gerne lange, gerne gut, gerne viel, gerne vorrangig". Dafür gibts bei mir sowas wie Mittagessen nicht. Das gilt natürlich nur für die freien Tage, an einem normalen Bürotag wäre das ja unmöglich.

Aber kaum ist Samstag, da öffnet er seine Tore, der Breakfast-Club:

Kräuterrahm mit Kapuzinerkresse

Ei mit Krabbe und Dill und getoasteter Bagel




Oeufs en Cocotte

Schinken, Cheddar, Gorgonzola-Rahm, Birnen-Sellerie-Salat

Wenn ich könnte, würde ich ein Schild aushängen "Frühstückt besser!". Kaffee und Zigarette oder ein Croissant im Stehen sind kein Frühstück. Der Körper braucht Treibstoff für den Tag. Und er kann so auch einige kalorienreichere Leckerlis besser wegstecken. Wenn schon Kohlehydrate, dann doch lieber am frühen Tag, als Abends.
Weitere moralische und lukullische Anreize folgen...

2010/06/14

Der Jamie und das Schwein


Bilder: © Ellja

Jamie Oliver und ein befreundeter Koch braten Schweinekotelett. Und zwar solche (siehe oben) Prügel, die zusammen 1 kg ergeben.

Sowas fasziniert mich. Ich will auch. Das beste BioSchwein vom Lieblingsfleischer ("Wollen sie das wirklich so dick geschnitten haben? ... JA freilich....Da würde ich auch gerne zum Essen kommen...")

Das Kotelett zuhause erstmal stolz begutachtet, drücke ich, wie im Rezept, das Salbeiblatt ins Fleisch. Salz das ganze und brate die beiden Riesenteile in einer Eisenpfanne langsam von beiden Seiten an. Und "langsam" ist nämlich das Stichwort, das funktioniert wirklich besser, als schnelles, heißes Anbraten. Tatsächlich. Da das Kotelett eine dicke Fettschicht hat, trocknet das Fleisch auch nicht aus. Die heiße Pfanne wird anschließend noch ins Backrohr gestellt und bei etwa 180 Grad 8 Minuten fertig gegart. Dann die Schwarte dünn abschneiden und den dicken Fettanteil entfernen. Die Schwarte in der Pfanne noch knusprig braten - wer will.



Dazu gab es - ganz wie im Original - Aprikosen mit Salbei in Honig gebraten und Champ (Kartoffelpüree mit Frühlingszwiebeln und Buttersee)




Fazit: Eigentlich bin ich keine so große Liebhaberin von Schweinekotelett. Auch beim Grillen sind mir die fetteren Teile (Bauch, Schopf) lieber. Und auch hier wars schließlich so, dass ich keine große Begeisterung verspürte. Ja, das Fleisch war gut gebraten, tolles Fleisch. Und P war sehr zufrieden. Mir wars dann doch etwas zuviel Fleisch, zuviel Schwein.

Die Aprikosen waren etwas säuerlich, also weder Jamies noch meine Schuld. Für mich würden sie viel besser zu Lamm passen, evtl. auch zu Kaninchen? Hier fand ich es nicht so großartig in dieser Kombination.

Das beste am ganzen war der Champ. Ausgezeichnetes Püree, aber das hätte ich ohne Jamie auch hinbekommen ;-) Doch es war ganz sicher mal einen Versuch wert. Hat ja schließlich auch Spaß gemacht.

2010/06/11

Griasko'


Bilder: © Ellja

Wer ist nicht damit aufgewachsen: Griasko' (Griesbrei) mit brauner Butter oder wahlweise Benco? Ich jedenfalls schon. Richtig aufgepäppelt wurden die Kleinkinder damit, bis sie rote Backen und ein dickes Doppelkinn hatten.

Nein - auch wenn die Kindheitserinnerung schön ist - heute mag ich den Gatsch wirklich nimmer mehr. Gries aber immer noch gerne. Lieber zum Beispiel als Auflauf... schön flaumig süß - mit säuerlichen Früchten dazu, Himbeeren zum Beispiel - herrlichst!



Griesauflauf Eigenbau:
3 Eier (getrennt)
100 g Zucker
1 Vanilleschote
1/4 l Milch
150 g Gries
Zitronenschale

Die Milch mit der Vanilleschote (vorher auskratzen und zum Eigelb geben) und 50 g Zucker aufkochen und den Gries einstreuen. Kurz köcheln lassen, bis ein sämiger Brei entsteht.
Das Eiweiß mit Brise Salz sehr steif schlagen.
Das Eigelb und die restlichen 50 g Zucker sowie die Vanille zu einer dicken, gelben Masse verrühren. Zitronenschale abreiben und untermengen.
Nun die Eimasse unter den Griesbrei rühren und zum Schluss das Eiweiß noch locker unter die Masse heben. In gebutterte Förmchen füllen und bei ca. 170 Grad ca. 15 - 20 Minuten backen.
Gut mit Staubzucker stauben und mit einer Himbeersauce servieren.

Obwohl... wenn ich so an die braune Butter denke....

2010/06/07

Ein Bett in Haiti


Bilder: © Ellja

Aus der Not eine Tugend machen.. was der Küchenschrank so hergibt, kann oft eine recht spannende Reise sein, in eine Richtung, die man so erstmal nicht geplant hatte. Besonders dann, wenn der Hunger einen vorwärts treibt.

Mein Magen knurrt, ich muss was essen. Und das schnell.
Der Kühlschrank ist nicht gerade mit den Köstlichkeiten dieser Welt gefüllt. Wer hätte sie auch kaufen sollen? Ich hatte keine Zeit. Also was machen wir mit dem, was da ist?

Kurzer Check:
Süßkartoffel
Tomaten
Fenchel
Sauerrahm
Parmesan


Nach kurzen (und auch etwas längeren) Überlegungen und Hin- und Hergeschiebe verschiedener Grundzutaten kam das hier raus:
- Süßkartoffel-Kräuter-Falaffel
- Gewürzjoghurt mit Schwarzkümmel
- Tomaten-Fenchel-Rosinen-Auflauf mit Parmesanhaube

Der Kühlschrank geleert, die Reste sinnvoll aufgebraucht, satt und innerlich befriedigt.
Ein Stimmchen im Ohr "Ich schmeiße keine Lebensmittel weg, neinnein". Und meistens gelingt mir das sehr gut. Aber zu selbstzufrieden lege ich die Beine schließlich auch nicht hoch, denn was ich hier fast schon mit Sportsgeist verwerte ist anderswo bittere Notwendigkeit. Ich vergess das nicht, dass es so viele hungernde Menschen auf dieser Welt...

Und der Gedanke ist noch gar nicht zu Ende gedacht, sehe ich die aktuelle Lage in Haiti im Fernsehen. Port-au-Prince immer noch im Schutt versunken. Die Slums haben sich auf weite Teile des Landes, das einst Grünland war, ausgeweitet. Die Müll- und Schutthalden mit den verschütteten Toten sind noch genauso wie nach dem Beben. Es fehlt das Geld und die nötigen Werkzeuge, um die Leichen zu bergen. Tausende Obdachlose unter Zeltplanen. Schuhkartons für eine ganze Familie. Kindersklaven kehren die behelfsmäßig zusammen gezimmerten Hütten. Anstieg der Vergewaltigungen. Eine unfähige Regierung. Korrupte Beamte. Die Hilfsgüter werden inzwischen um teures Geld verscherbelt. Studentengruppierungen wehren sich dagegen mit Demonstrationen vor dem Regierungsgebäude. Alles mit wenig Erfolg. Das Land liegt darnieder. Traurige Bilder nach einer Katastrophe.

Ein Mann lächelt missmutig in die Kamera "Hier in Haiti ist nicht das Problem, Essen zu bekommen, da gibt es überall etwas, sondern einen Platz zum Schlafen".