2012/03/26

Gastbeitrag: Herr P. killt den Osterhasen

Bilder: P.T.


























Darf man das? So kurz vor Ostern einen Hasen in die Röhre stecken?
Ich frag erst gar nicht...

Manchmal drängt es mich in unsere kleine, aber feine Küche. Die meiste Zeit fabriziere ich dann einfache Gerichte, wie zum Beispiel Fleischlaberln, Spaghetti Bolognese, Hascheehörnchen, hin und wieder auch Schweinsragout Bürgerlich. Da kenn ich mich aus, das habe ich seit meiner Kindheit gegessen, das schmeckt fast jedem.

Da ich nun aber auch ein begeisterter Leser meiner lieben Ellja bin, zieht es mich immer wieder zu den spannenderen (wenn auch vielleicht nicht ausgefalleneren) Gerichten.

Diesmal war's wieder so weit und die Qual der Wahl habe ich mir etwas vereinfacht, in dem ich Jamie Oliver's Erstlingswerk zu Rate zog. Zuerst sah ich den Kürbis. Also braucht's zur Beilage auch ein Hauptgericht, so kam ich auf den Hasen, also das Kaninchen.

Also erstmal los zum Einkaufen. Nach einigen bangen Minuten wilden Suchens gab's dann doch ein Standl auf dem Südbahnhofmarkt, das statt Osterlamm einen Osterhasen im Angebot hatte. Mein schlechtes Gewissen hält sich sehr in Grenzen.

Das Tolle an versierten Köchen und Köchinnen ist ja die Vorbereitungsarbeit und die Routine. Das fehlt mir völlig. Meist bleibt alles bis zur letzten Sekunde im Kühlschrank und wird dann hektisch zerkleinert und in den Topf geworfen. Diesmal ging ich es langsam an und siehe da - alles hat geklappt. Naja, einige Pfuschereien und die Kilometer, die ich zwischen Kochbuch am Esstisch und Herd zurückgelegt habe, verschweige ich jetzt vorsichtshalber.

Besonders das Vorbereiten des Häschens fand ich interessant. Wenn man nicht oft mit (fast) ganzen Tieren zu tun hat, kann das schon eine Herausforderung sein. Es schafft aber irgendwie eine interessante Verbindung zwischen Koch und Essen, wenn man sich ganz intim mit dem Innenleben seines Abendessens beschäftigt. Die Details erspare ich euch, es war auf jeden Fall ein lehrreiches Erlebnis für mich.

Das Kaninchen fertig vorbereitet












Der farbenprächtige Kürbis

So sieht eine Kaninchenleber aus. Die gab es während des Kochens, scharf angebraten mit Meersalz.

 
Da ich keinen großen Bräter verwenden wollte, musste ich die Teile grüppchenweise braten.
 
Geschafft! Gespannt und hungrig geht's an's Anrichten und die Vorfreude auf das Essen und das Feedback der Meisterin sind groß.

Geschmeckt hat es ausgezeichnet, allerdings fanden Ellja und ich wenig Unterschied zu Geflügel. Die Anatomie des Kaninchens macht es einem auch nicht einfach beim Essen. Die besten Werkzeuge sind hier auch wieder mal die eigenen Finger.







Gebratenes Kaninchen mit Rosmarin, Thymian, Salbei und Zitrone

2 (große) Portionen (eher mehr)

1 Kaninchen
1 unbehandelte Zitrone
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1 gehäufter EL gehackter Rosmarin
1 gehäufter EL Thymian (ich habe Oregano genommen)
1 EL Olivenöl
1 TL und 1 EL Butter
8 Salbeiblätter
halbe Knoblauchzehe, geschält und in feine Scheiben geschnitten
1 großes Glas Weiswein

Das Kaninchen in 4 Keulen und 4 Rückenstücke teilen (lassen).
Zitronenschale mit Sparschäler von der Zitrone lösen und in feine Streifen schneiden.
Kaninchenteile mit Zitronensaft leicht benetzen.
Das Fleisch großzügig salzen und pfeffern, dann im Rosmarin-Thymiangemisch wälzen.

Olivenöl in einem ausreichend großen Topf bzw. Bräter erhitzen.
Kaninchenteile sowie übriggebliebenen Rosmarin und Thymian in den Topf geben und goldbraun anbraten (etwa 5 Minuten, hat bei mir aber länger gedauert).
Etwa nach der Hälfte der Zeit, die Zitronenschale, einen TL Butter sowie die Salbeiblätter zugeben (die Blätter sollten knusprig werden).
Direkt im Anschluss den Knoblauch beigeben und 1 Minute braten, so dass er weich wird aber keine Farbe annimmt. Weißwein angießen.
Das ganze schließlich noch für 10 Minuten bei 200°C in den Backofen schieben (auch hier hat's bei mir etwas länger gedauert).

Aus dem Ofen nehmen, im Topf 1 EL Butter zerlaufen lassen und untermischen. Ein paar Minuten ruhen lassen, Wein und Butter ergeben eine wunderbar milde Sauce.

Pikanter gebackener Kürbis

1 mittlerer großer Butternuss-Kürbis
2 TL Koriandersamen
2 TL getrockenter Oregano
1/2 TL Fenchelsamen
2 kleine, rote, getrocknete Chili Schoten
1 TL Salz
1 TL frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
1 Knoblauchzehe
1 EL Olivenöl

Kürbis waschen und mit einem scharfen Messer halbieren. Kerne aus dem Kürbis schaben.
Den Kürbis der Länge nach vierteln und die Viertel dann halbieren (die Spalten sollten ca. 2,5 cm breit sein).
Alle getrockneten Kräuter und Gewürze mit Salz, Pfeffer und Knoblauch im Mörser zerstoßen.
Die Mischung in eine Schüssel geben und 1 EL Olivenöl (oder etwas mehr) zufügen. Den Kürbis in dieser Mischung wenden. Alles mit der Schale nach unten auf ein Backblech setzen und 30 min. bei 200°C in den Backofen geben.

Quelle: Kochen mit Jamie Oliver

Kommentare:

Eline hat gesagt…

Schön,
hier mal von Herrn P. zu lesen.
Kaninchen zerlegen und richtig zu schmoren ist keine einfache Sache. Gut gemacht!

Netzchen hat gesagt…

Hallo Ellja,

schöner Beitrag, da merkt man schön langsam wird die Zeit knapp für Ostern, bin auch noch am überlegen was ich so machen - Kaninchen wäre auch eine gute Wahl.

Liebe Grüße
Netzchen

Frau Ziii hat gesagt…

Was braucht einer den Osterhasen, der eine Eierfrau hat, gell?

Täglich Freude am Kochen hat gesagt…

Ich mach öfters Kaninchen. Allerdings sag ich den Kindern nicht immer was es ist, was ja möglich ist, aus den besagten Gründen. Ich glaub aber Kaninchenfleisch ist gesünder, wenn ich es mit Billighühnerfleisch vergleiche. Biohuhn ist bei und wesentlich teurer.

Die Küchenschabe hat gesagt…

Hallo Herr P.
diesen Beitrag zeig ich dem Mitkoch, ich will schon lange, dass er auch mal einen Gastbeitrag schreibt. Feines Kaninchen, essen wir auch sehr gerne!

Sybille hat gesagt…

Sehr gut hat er gekocht, der Herr P.
Das Beste hat er so nebenbei schnabuliert, die Leber, die hätte ich jetzt gerne! LG

P hat gesagt…

@Eline
Ein bisschen einfach hab ich's mir dann doch gemacht und die Fleischhauerin das gröbste erledigen lassen.

@Frau Ziii
Die Liebe zu glücklichen Eiern habe ich sehr zu schätzen gelernt. Ich traue mich's fast gar nicht sagen, aber in grauer Vorzeit mochte ich meine Eierspeise am liebsten Staubtrocken und mit ordentlich Tabasco.

@TFaK
Ich habe schon bemerkt, dass nicht nur Kinder die kleinen Häschen lieber streicheln als verspeisen. Für manche ist das wie auch Kalb ein Tabu.

@Küchenschabe
Wenn man's nicht oft macht, ist die Freude über den Erfolg besonders groß. Lob der Könnerinnen beflügelt da auch schnell das Ego und die Lust mehr zu machen. *g

@Sybille
Die habe ich natürlich mit Ellja geteilt. Als kleines Trostpflaster dass es dann doch doppelt so lange dauerte als ursprünglich angenommen.

Schwiegermutter inklusive hat gesagt…

Schade, wohne in Dubai, und so ein Häschen für den Kochtopf, das kriegt man hier nicht...sieht nämlich wirklich lecker aus und die wenigen Male, die ich Kaninchen gegessen habe, hat es wirklich gut geschmeckt. Lg, die Schwiegermutter