2009/10/05

Auf beiden Augen blind, oder wie man (s)einen Garten entdeckt...


Bild: © Ellja

In meinem Innenhof gibt es einen halb verwilderten Gemeinschaftsgarten, der, weil er eben niemandem richtig gehört, eher lieblos dahinwuchert. Oft habe ich mir schon überlegt, es in die Hand zu nehmen, ihm die nötige Pflege zukommen zu lassen. Leider ist unsere Hausgemeinschaft keine freundschaftlich-nachbarschaftliche, die ein solches Projekt gemeinsam auf die Beine stellen würde, so habe ich es gelassen. Wer will schon zusehen, wie im neu erblühten Gartenglück die Nachbarskinder alles tot trampeln, oder sich die Nachbarn dann am Gemüse bedienen...

Wie sehr ich aber unseren Schandfleck optisch ausgeblendet hatte, merkte ich erst vor einigen Wochen. Tagträumend an meinem Küchenfenster stehend und in den Hof blickend fielen mir plötzlich gelbe Punkte ins Auge. Nein, keine Punkte, das sind ja richtig große Tupfen, sehen aus wie Früchte? Näher gezoomt und schließlich runter in den Garten geeilt, stellten sich die gelben Tupfen schließlich als Quitten heraus. In unserem Garten steht ein Quittenstrauch, voll mit fast reifen Früchten! Und all die Jahre (nein, ich sage jetzt nicht, wielange), die ich nun schon hier wohne, habe ich das niemals vorher gesehen? Ich bin entsetzt über mich selbst! Wie kann man so blind sein? Aber die Freude über meine neue Entdeckung lässt mich das hoffentlich recht bald vergessen. Mein Hausverwalter darauf angesprochen meinte, die gehören niemanden, wachsen wild und der Hausmeister entsorge sie jedes Jahr, bevor sie im Gras verfaulen. Er wäre froh, wenn ich Verwendung dafür hätte. Schreckliche Vorstellung, welch Verschwendung, welch Missachtung! So bin ich jetzt ofiziell Patin und damit Quittenpflückerin geworden, und hab schon einiges damit angestellt.

Quitten-Chutney
Quitten (gewaschen, geschält und in kleine Stücke zerschnipselt)
Zwiebeln (fein gehackt)
Ingwer (fein gehackt)
Rosinen
Birnenessig
Rohrzucker
Limette (Saft und Schale)
1 Chillischote (fein gehackt)
Zimtstange, Nelken, Piment, Sternanis
Salz, Pfeffer, Madras-Curry

Alle Zutaten in einem Topf zu einer weichen-musigen Konsistenz verkochen und noch heiß in Twist-Off-Gläser füllen.



Bild: © Ellja

Bild: © Ellja

Vielleicht überdenke ich meine Vorbehalte bzgl. alleiniger Gartenpflege noch einmal und wage es im nächsten Frühling? Ich hab ja jetzt genügend Zeit, den ganzen winterlang sogar, mir das zu überlegen...

Kommentare:

katha hat gesagt…

du glückliche! nicht ärgern, dass bisher nicht, sondern freuen, dass ab jetzt! quitten sind völlig unterschätzte, absolut grossartige früchte! probier mal roberts quittenkompott (zu mohntörtchen) aus, das ist simpel, aber sehr fein.

Eline hat gesagt…

Schön sind sie, deine adoptierten Quitten!
Ich würde den Versuch mit dem Garten mal wagen. Ich habe auch mal, allerdings in einer kleinen Hausgemeinschaft, mit Hofgarten-Kultivierung angefangen. Und siehe da, plötzlich waren alle begeistert. Sogar heute noch (ich bin inzwischen 10 Jahre weg von dort) wird der Garten noch gepflegt und benutzt.

kochschlampe hat gesagt…

klar: adoptiere den Garten und mach ein wenig was daraus. Auch wenn es nur ein wenig Ordnung schaffen ist und ein paar Blumenzwiebeln für die Frühblüher: es erfreut doch jedes mal, wenn man vorbeigeht/hinschaut.

Abgesehen davon finde ich Gartenarbeit unglaublich befriedigend.

mestolo hat gesagt…

Chutneys sind was feines und dieses hier ist eine gute Variante für Quitten statt immer nur Gelee :o)

lamiacucina hat gesagt…

Der Duft der Quitten ist einfach unbeschreiblich und würde eine tiefere Beschäftigung mit dieser Frucht lohnen.

Ellja hat gesagt…

@katha das mohntörtchen samt kompott hab ich eh schon länger im auge bzw. auf meiner liste, wäre jetzt eine gute gelegenheit, ja

@Eline du hast schon recht, man soll nicht jammern, sondern erstmal ausprobieren, obs klappt.

@kochschlampe stimmt schon

@mestolo obwohl ich inzwischen auch schon gelee davon gemacht habe ;-). Da ich das nicht kannte, ist es für mich ja was neues, schmeckt auch gut

@lamiacucina das ist wahrlich ein olfaktorischer Genuss, die duften so frisch und fruchtig, super nebeneffekt