2009/10/15

Fredsgatan 12



Nicht nur eine Straßenbezeichnung in der Nähe des Parlaments, sondern auch der Name eines der besten Restaurants in Stockholm, das "F12". Danyel Couet und Melker Andersson zeichnen hier verantwortlich und bringen ausgesprochen gute Küche auf den Tisch. Ich würde es als solides Handwerk mit großem Geschick für Geschmacksnuancen nennen. Ein wenig mehr Innovation hätte ich mir gewünscht, war ich doch von Katha´s Noma-Berichten angestachelt, nur, zu dieser Performance hat es im F12 nicht ganz gereicht.

Aber beginnen wir von vorne...

Das Ambiente des Lokals: moderne Klassik mit hellen, frischen Farben. Sehr gedämpftes Licht (was mir allerdings in anderen Lokalen auch auffiel). Mögen es die Stockholmer gerne schummrig?

Service: Junges, kompetentes und ausnehmend freundliches Personal, das sich über Gebühr bemüht, einen schönen Abend zu garantieren. Unser Tischkellner und Weinexperte war große Klasse!




Das Menü: Wir entschieden uns für das 11-gängige Degustationsmenü, das unter dem schönen Motto "Erntedankfest" stand, inklusive Weinbegleitung. Aus der Weinbegleitung wurde ein richtig lustiges Ratespiel. Zu jedem Gang galt es eine Weinsorte zu probieren, wobei dieser ohne Etikett eingeschenkt wurde. Erst beim nächsten Gang wurde der vorherig servierte Wein dann aufgelöst. Wir hatten viel Spaß dabei (beim raten und beim trinken sowieso) und unser Kellner auch ,-).

Nun aber zu den einzelnen Gängen: (sorry, für die miesen Fotos, meine Cam hat das Schummerlicht leider nicht gepackt)

Maine Lobster & Sugar Corn
(Stückchen von Hummer (ah, so schmeckt der also) mit caramellisiertem Popcorn und einem Tupfen Mais-Eis) ..dabei fällt mir ein: war schon mal jemand beim Maine-Lobster-Festival?
Weinbegleitung: Saint Aubin 2007, Pierre Yves Colin-Morey, Burgund, Frankreich
Gleich mit einem so starkem, dichten Wein zu beginnen, hat mich überrascht, aber es hat wirklich gut gepasst. Das Mais-Eis war ungewöhnlich. Man erwartet Süße und da kommt aber keine.


Autumn Onion "Soup a l´ognion" with champagne crouton
(Handwerklich einwandfreie Zwiebelsuppe, aber kein "aha")
Weinbegleitung: Mersault Rouge 2005, Domaine Thevenot-Machal, Burgund, Frankreich
kein Foto
Duck Liver from the Basque Provinces & Pumpkin
(Wundervolle Entenleber mit caramellisierter Gerste und frittierten Kürbiswürfeln)
Weinbegleitung: Sercial 5 yrs. Cossart Gordon, Madeira, Portugal
Wieder ein recht kräftiger, fast an Vermouth erinnernder Wein



Truffle from Gotland with Cauliflower and Jerusalm Artichoke
(müsste eigentlich Karfiol und Topinamburwürfel (ich hielt es für Artischocke, danke Eline) mit schwedischer Trüffel heißen)
Weinbegleitung: Spätburgunder 2007, Meyer-Näkel, Deutschland
kein Foto
Wagyu 11+ & Artichoke with thyme pearls and shredded Tomato
(erstklassiges, wie Kobe Rindfleisch!)
Weinbegleitung: Allende Bianco 2007, Finca Allende, Rioja, Spanien


Pike-Perch from Lake Hjälmaren & Chervil Root
(saftig gegarter schwedischer Zander in Lardo gewickelt und gebraten mit einer feinen Kerbel-Limetten-Sauce)
Weinbegleitung: Wachenheimer Gerümpel Riesling 2007, Dr. Bürklin-Wolf, Pfalz, Deutschland
Schon wieder ein Deutscher! Ich habe mich aber dadurch trösten lassen, dass auf der Weinkarte unglaublich viele Österreicher drauf standen, nur beim Menü kam keiner vor. Aber es waren gute Deutsche Weine, muss man wirklich sagen ;-)


Young red deer from Brokinds Farm with burnt hay, forest mushrooms and cabbage
(zartes Hirschsteak auf Kohl mit Pilz-Würstel, die mir ein bisschen zu würzig waren)
Weinbegleitung: Les Terasses 2006, Alvario Palacios, Priorato, Spanien


Fourme d´Ambert with pear and roastet walnuts
(wundervoller französischer Käse unter einem Birnen-Geleeblatt versteckt)
Weinbegleitung: Torcolato 2006, Maculan, Veneto, Italien
Wieder recht süß, aber passte wunderbar.

Lollipop with elderberry
(kleiner Eislutscher mit Hollundersorbet und weißer Schokolade überzogen)



Dark chocolate cream "Surprise" with arctic bramble
(Klassisches Mousse im Schokomantel mit Brombeeren, für mich waren es aber Himbeeren)
Weinbegleitung: Edes Elet 2003, Árvay & Co, Tokaj, Hungary


Vanilla Pudding with rosehip
(kleines Creme Caramel-Eckchen mit einer kandierten Hagebutte)
kein Foto
Davor gabs noch: Wildschweinpastete mit kleinen Brotsticks im Sackerl

alle Bilder: © Ellja
Dabei gabs noch: Gesalzene Butter mit vielen guten Broten
Danach gabs noch: hausgemachte Pralinen
Und wir haben alles alles aufgegessen :-)! Wir waren nach diesen allen Gängen wirklich, ja wirklich satt, erfüllt, glücklich und betrunken!
Es war ein schönes Erlebnis, wenn mir auch die eine oder andere Rafinesse gefehlt hat. Auch mehr Regionalität hätte mir gut gefallen. Die Desserts hätte ich nicht mehr gebraucht, sie waren kein Höhepunkt. Aber empfehlen kann ich einen Besuch im F12 in jedem Fall...
... und so torkelten zwei glückliche Seelen durch das nächtliche Stockholm Richtung Bettstatt mit roten Backen und glänzenden Augen... God Natt!

Kommentare:

Schnick Schnack Schnuck hat gesagt…

Wow, das sind in der Tat echte Kunstwerke.

Eline hat gesagt…

Vielen Dank für den Bericht. Wenn ein Foodblogger so persönlich über ein Restauranterlebnis schreibt, bekommt man einen viel besseren Eindruck als von den Kritiken in Fressführern - ein bisschen kennt man ja den Geschmack der Verfasserin ;-)
Ich verstehe deine leichte Kritik: das Menü ist eher international gestrickt und hat keinen eigenen Stil - die Wanderung zwischen sehr traditionell (Entenlebergericht) und den Spielereien der Avantgardeküche (Lollopops) ist ein bisschen aufgesetzt. Aber die einzelnen Gerichte sind schön angerichtet und sehen nach sehr gutem Handwerk aus. Die Weinauswahl (Marsala zu Entenleber ist perfekt und bekommt man selten!) finde ich sehr gelungen. Ich würde gerne dort geniessen, vielleicht ein kleineres Menü. In Österreich musst du dich anstrengen, so gute Küche zu finden ...

Das Pärchen Califlower und Jerusalem Artichoke sind Karfiol und Topinambur - das ist aber nicht wichtig, nur Besserwisserei ;-)

Ellja hat gesagt…

Schnick Schnack Schnuck ja, leider war das Licht für meine Cam zu schwach, was ich sehr schade fand.

Eline, ach gott, ich schussel, Karfiol war mir klar,nur ein Schreibfehler, aber Tobinambur ist bei mir geschmacklich auch als Artischocke durchgegangen, tut mir leid. Ich hab ja vorher die Karte nicht wirklich studiert, wollte mich überraschen lassen, aber selbst das Hirschsteak hätte ich rein nach dem Geschmack gar nicht als solches erkannt. So war dann das Nachlesen des Menüs auch noch die eine oder andere Überraschung dabei ,-)

Elmlid hat gesagt…

Artichoke und Topinambur ist leicht zu vermischen auf schwedisch da die nicht nur in geschmack ähnelt sondern die Wörter auch sehr ähnlich sind (Kronärtskokka och Jordärtskokka).
Also, auch wenn die Menü gelesen ist kann es tricky sein wenn mann die sprache nicht spricht.

Und nochmal. F12, Ich bin soooo neidig! Toll berichtet.
Best,

Malin

katha hat gesagt…

danke!
mit dem noma kann man halt (leider, leider) nix vergleichen, die sind so extrem regional und saisonal und produktversessen, das habe ich sonst noch nirgendwo erlebt.
aber es schaut mir nach einem feinen, interessanten menü aus. die wurscht beim hirsch klingt nicht nur heftig, sondern sieht auch fast künstlich aus. weisst du, woraus das brät ungefähr betand?
und eline hat doppelt recht: zum einen mit dem internationalen stil (als "keinen" würde ich das aber nicht bezeichnen, das ist mir gar zu streng geurteilt)und damit, dass man in österreich kaum auf diesem niveau essen kann. zwar handwerklich oft sehr gut, aber wenig mutig oder wenn, dann selten harmonisch.
im übrigen finde ich, dass nicht nur marsala, sondern auch sherry und vor allem portwein viel öfter angeboten werden sollten. nicht vor oder nach dem essen, sondern dazu.

Eline hat gesagt…

katha,

danke fürs Relativieren - "kein Stil" ist sicher zu strikt.
Noch was: die arctic brambles waren sicher Moltebeeren, die sehen wie Himbeeren aus und werden in Skandinavien gerne gegessen.

Ellja hat gesagt…

Elmlid, ich war wirklich froh, dass die Schweden so gut englisch sprechen, denn auch wenn sich manches Wort erkennen lässt, insgesamt habe ich davon nix verstanden :-)

Katha, meine schon mal erwähnte Favoritin in Österreich ist immer noch Johanna Maier, da war ich mindestens so begeistert, dagegen war ich bei Lisl Bacher weniger angetan. Zu der Wurst: es waren Pilze und Kräuter und zuviel Salz. Die Wursthaut hat uns erst sehr geschreckt, ich hab da ein bisschen Fülle rausgequetscht, obwohl ich nicht annahm, dass es nicht-essbare Haut ist, aber ich war vorsichtig;-), aber es dürfte ein Gelee gewesen sein, es zerfloss nämlich am Gaumen und am Teller. Bei süßen Weinen war ich immer sehr reserviert, aber Du hast Recht, die passen unglaublich gut zu manchen Gerichten, nicht nur zum Dessert.

Eline, wieder was gelernt, es kam mir ja schon die Farbe gleich komisch vor ;-)

lamiacucina hat gesagt…

Beeindruckend und Lesenswert, auch wenn ich es nie schaffen werde, dort zu essen. Was sind die Thyme Pearls auf dem Fleisch ?

Isi hat gesagt…

Vielen Dank für den Bericht. Mir gefällt das Menü gut, ich muss aber zugeben, das ich in diesen "Sphären" eigentlich wenig Erfahrung habe. 2-3 Besuche in "solchen" Restaurants ... naja, das ist ja noch nicht viel. Dein Bericht ist sehr schön und es wundert mich nicht, dass du Topinambur mit Artischocken verwechselt hast, die sind schon ähnlich. Bald beginnt bei uns wieder die Topinamburzeit, da freue ich mich schon darauf.

Ellja hat gesagt…

Robert, es war geeiste Thymian-Essenz, würde ich sagen.

Isi, ich bewege mich auch nicht täglich in solchen Restaurants, war auch für mich was besonderes.

P hat gesagt…

Die Perlen bestanden aus Stärke und Thymian. Trugen allerdings mehr zur Optik als zum Geschmack bei.

Großartiges Restaurant. Teuer, aber das wars wert.

Ellja hat gesagt…

woher weißt du denn das mit der Stärke? ;-)

P hat gesagt…

weil er sagte "they are made from starch and thyme" ;) und dass sie sie selbst herstellen

Ellja hat gesagt…

no, da hab ich wieder was nicht verstanden, gut, dass du dabei warst ;-)