2009/06/29

Das Sommerbuch: Empfehlungs-Rallye #1

Im Genussmousse-Blog wurde eine Empfehlungsrallye für die persönlich besten Sommerbücher ausgerufen. Und dazu hier meine 5 Lieblingsbücher, die auch mein Kater Julius zu befürworten scheint: Viel Spaß beim Schmökern und Lesen!


Bild: © Ellja

Briefe in die chinesische Vergangenheit - Herbert Rosendorfer

Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. März 1986)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423105410

Kao-Tai, ein chinesischer Mandarin aus dem 10. Jhd landet mittels einer Zeitmaschine in den 80iger Jahren in München, was durch einen Berechnungsfehler geschehen aber nicht geplant war. So denkt Kao-Tai, er wäre im zukünftigen China. Regelmäßig schreibt er Briefe an seinen Freund in die Vergangenheit, um diesen über Sitten und Gebräuche im eigenartigen Min-chen aufzuklären.

Dieses Buch hat mich streckenweise fast Tränen lachen lassen. Die Irrungen und Wirrungen durch das Nichtverstehen oder Nichtbegreifen sind dermaßen amüsant, dass sich der Roman viel zu schnell zu Ende liest.


Bild: © Ellja

Großes Solo für Anton - nochmal Rosendorfer

Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 10., Aufl. (1982)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257203292

Herr Anton wacht eines morgens auf und muss zu seiner Bestürzung feststellen, dass alle Menschen verschwunden sind. Seine Kollegen, seine Nachbarn, alle wie vom Erdboden verschluckt. Zuerst denkt er an einen Scherz, muss aber Stunde um Stunde und Tag um Tag erkennen, dass es bittere Wahrheit ist: Er ist der letzte Mensch auf Erden. Recht genau beschreibt Rosendorfer, wie Herr Anton nun mit dieser Situation umgeht.

Dieses Thema ist nicht neu, schon Marlen Haushofer hat in ihrem Buch "Die Wand" beschrieben, wie ein Mensch urplötzlich völlig alleingelassen die verlorene Welt wiederzufinden versucht. Herr Anton allerdings, selbst ein sehr seltsamer Charakter, bringt hier durch sein Unvermögen viel Witz in die Geschichte. Ein ausgesprochen charmanter Roman.



Bild: © Ellja

Middlesex - Jeffrey Eugenides

Taschenbuch: 736 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (November 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499238101

Cal alias Calliope Stephanides kommt als Hermaphrodit zur Welt. Der Grund? Ein schwerer Fall von Inzucht in der Familie. Cals Großeltern verlieben sich ineinander, obwohl sie Bruder und Schwester sind, müssen aus Smyrna (heute Izmir) vor den einfallenden Türken fliehen und landen schließlich 1922 in Detroit ...verheiratet. Middlesex ist eine Familiengeschichte über drei Generationen, eine Einwanderergeschichte, eine Teenagerstory, die Geschichte Amerikas im 20. Jahrhundert und noch einiges mehr .

Euginides Erzählkunst ist sagenhaft großartig. Man wird mitgerissen von der dichten Story und die 700 Seiten blättern sich beinahe von selbst.


Bild: © Ellja

Die Stadt der Blinden - José Saramago

Taschenbuch: 398 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 16 (1. April 1999)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499224674

Eine Ampel in einer namenlosen Stadt springt auf Grün. Ein Auto bleibt dennoch stehen. Der Fahrer ist urplötzlich erblindet. Den freundlichen Helfer, der den Erblindeten nach Hause bringt und sich anschließend dessen Auto bemächtigt, ereilt das gleiche Schicksal. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich. Der Staat reagiert brutal. Die Erblindeten werden in einem leerstehenden Irrenhaus interniert, wo sie sich selbst überlassen werden. Doch es gibt eine Sehende unter ihnen, die die Krankheit nur vorgetäuscht hat, um bei ihrem Mann zu bleiben. Mit ihrer Hilfe könnte der Ausbruch gelingen...

Fast durchleidet man die Geschichte, der Roman ist beklemmend und erschreckend. Also keine leichte Kost, aber kraftvoll und sehr intensiv zu lesen. Man mag es eigentlich nicht lesen, wie brutal und roh Menschen miteinander umgehen, selbst wenn sie erblinden, aber man sollte es wagen. Dieser Roman wurde inzwischen auch verfilmt, aber ich kann mir nicht denken, dass man diese Erzählkunst Saramagos filmisch umsetzen kann, deshalb werde ich ihn mir auch nicht ansehen.


Bild: © Ellja

Der Geschmack von Apfelkernen - Katharina Hagena

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch Verlag (25. Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462039709

last but not least ein schönes Buch, zu lesen wie ein warmer Sommerregen. Natürlich auch nicht ohne die großen Themen Liebe und Tod.

Iris fährt zum Ort ihrer Kindheit zurück, um das Erbe ihrer gerade verstorbenen Großmutter anzunehmen: Das Haus. Während sie durch die Zimmer wandert und durch den Garten streunt, erinnert sie sich. Und nicht nur daran, wie die Apfelkerne ihrer Kindheit geschmeckt haben. Iris durchlebt eine sensible Zeitreise in ihre eigene Familiengeschichte und wie nahe Erinnerung und Vergessen beieinander liegen.

Wunderschön und leicht zu lesen. Einfach eine schöne Geschichte, wo man vieles aus seiner eigenen Kindheit wieder riechen und schmecken wird können.

Kommentare:

reibeisen hat gesagt…

hübsche bilder sind das. Julius scheint belesen. sehr sympathisch, dieser kater... ;-)
die "stadt der blinden" haben wir übrigens ebenfalls sehr gemocht. und middlesex liest sich auch sehr fein. auf den warmen sommerregen ("der geschmack von apfelkernen" ist uns bislang unbekannt) freuen wir uns schon. danke für die feinen tipps und fürs mitmachen!!!

weltbeobachterin.blog.de hat gesagt…

oh, Julius gefällt mir.
danke für die Tipps! Ich gestehe obwohl Bibliothekarin habe ich noch keins der 5 gelesen.

kitchen roach/galley roach hat gesagt…

Danke fuer die Buecherreise. Hat mich neugierig gemacht, da ich keinen Autor/in kenne.

lamiacucina hat gesagt…

Danke an Julius für seine klare Empfehlung der Stadt der Blinden. Ich kannte bislang nur die "Briefe" und anderes von Rosendorfer.

Ellja hat gesagt…

@reibeisen Danke für die gute Idee :-)

@weltbeobachterin dass das möglich ist, sind alles relativ bekannte bücher ,-).... die vielen regentage laden ja geradezu zum lesen ein.

@kitchen roach gerne geschehen :-)

@lamiacucina richte ich ihm gerne aus :-) Rosendorfer ist ein begnadeter Schreiberling, finde ich.

kulinaria katastrophalia hat gesagt…

Die Stadt der Blinden macht sich wirklich gut als Sommerlektüre, Middlesex liest sich ganz gut als Schmöcker weg, hat aber irgendwie keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Hinweis auf das urplötzliche Alleinstehen (Marlen Haushofer) lässt leider nur ungute Erinnerungen an den Deutschunterricht zu - unsere feministisch angehauchte aber leider pädagogisch inkompetente Lehrerin analysierte das Buch in drei Monaten kaputt.

Ellja hat gesagt…

@kulinaria irgendwann muss aber jeder seine kindheitstraumen überwinden ;-)

Barbara hat gesagt…

Das ist ja eine schön fotografierte Bücherliste - der Kater weiß, was sich gut liest. :-)

Setzt der sich oft auch auf geöffnete Bücher und hindert einen am Lesen? Unsere Katzen tun das mit Vorliebe...

Die Briefe in die chinesische Vergangenheit könnte ich auch mal wieder lesen, eines meiner Lieblingsbücher.

Ellja hat gesagt…

@Barbara au ja, meine tun (hab auch 2 Stück) das auch mit Vorliebe, ich hab aber nocht herausbekommen, warum sie das machen...

Barbara hat gesagt…

manchmal denke ich, sie wollen einfach diese Aufmerksamkeit, die man gerade dem Buch oder der Zeitung zukommen lässt... ;-)