2009/06/25

I love New York II - to eat or not to eat


Bild: © Ellja

Die Amerikaner und ihr Essen. Darüber gibt es viele Vor- und Urteile. Die meisten stimmen ganz sicher. Die dicksten Menschen der Welt kommen (neben den Südseeinseln) immer noch aus den USA (Dass die dicksten Menschen Europas aus Deutschland kommen, lassen wir jetzt mal beiseite). New York ist keine typisch amerikanische Stadt. Sie ist ein multikultureller Schmelztiegel und was es auch auf dieser Welt zu futtern gibt, in NYC findet man es. So gesehen, kann man sich hier wie im Schlaraffenland fühlen. Auch die Menschen hier sind weitaus figurbewusster, die richtig großen Brummies sieht man nicht wirklich sehr oft, und wenn, dann sind es wahrscheinlich Touristen aus Detroit oder Milwaukee. Dünn, fit und gesund zu bleiben ist dennoch eine echte Herausforderung in dieser Stadt, trotz vieler täglicher Laufkilometer. Warum?

Höher - weiter - schneller - gilt auch beim Essen: Größer - fetter - süßer - klebriger. Für den europäischen Geschmackssinn kann das durchaus ein Schock sein. Schon die visuellen Reize tagtäglich sind kaum auszuhalten. An wirklich jeder Ecke, wo Du stehst oder gehst, gibt es was zu essen. Das Überangebot erschlägt einen fast. Die Gerüche sind teilweise verführerisch, aber auf Dauer unerträglich. Hier musst Du dich aktiv darum kümmern, NICHT dick zu werden, und das ist wirklich schwer.


Bild: © Ellja

Wie gesagt - zu essen gibt es alles, schon direkt auf der Straße entkommst du nicht: Hotdog-Stände, Donut-Imbiss, Shish-Kebab-Verkäufer an jeder Straßenecke, Brezzel (liegt wie ein Stein im Magen)-Verkauf... und willst Du Dich wo rein setzen, locken Starbucks, Andrew´s, Au bon pain und Dunkin´Donut mit ihrem Angebot schon zum Frühstück. Ein Frühstück im Hotel ist in New York kein guter Deal, weil erstens gar nicht üblich und wenn ja, dann meistens viel zu teuer und nicht die beste Wahl, aber es kann einem den Tag sehr erleichtern, finde ich. Wer allerdings darauf steht, schon frühmorgens mit hungrigem Magen einen Entscheidungsmarathon hinter sich zu bringen, nur zu. Der Kaffee ist sowieso überall brennheiß und kaum zu trinken, mit Kaffee hat es eigentlich gar nichts zu tun. Dafür kannst Du dir nachschenken lassen, soviel Du willst ;-).

Mittags veirrt man sich dann leicht in die typischen Burger-Ketten, alles natürlich billiger im Big-Size-Format. Die Getränke da sind mit Eiswürfeln gefüllt, also ist es völlig egal, was Du bestellst, es schmeckt alles nach Chlor. Wenn Du es schaffst, dir je ein Getränk ohne Eiswürfel zu ordern, dann gib mir Bescheid, du hast den Jackpot geknackt. Apropos Getränke: Überall in den Restaurants wird Dir Eiswasser in Krügen gratis auf den Tisch gestellt, nur trinken kann man (ich jedenfalls) es nicht - siehe Chlorgeruch. Dennoch ist NewYork stolz darauf, fließendes Leitungswasser mit Trinkwasserqualität zu haben.


Bild: © Ellja

Nun, Abends (natürlich auch zum Lunch) kann man sich viele gute Restaurants in ganz New York aussuchen, hier ist meistens Reservieren nötig und natürlich passende Abendgarderobe. Das dicke Geldbörsel auf keinen Fall vergessen, wobei es Mittags immer billiger ist als abends. Aber auch fürs schmale Budget gibt es die ganze Nacht (übrigens auch tagsüber) die sogenannten Deli´s (sprich: Delli). Diese sind erstaunlich gut, und haben oft ein unüberschaubares Sortiment an frischen Salaten und gegrillten, gebratenen vegetarischen und Fleischspeisen, meistens zum Mitnehmen. Es gibt auch ein paar gute Burgerläden abseits von Mac & King, die hervorragende Burger anbieten (Jackson Hole z.B.).

In Chinatown kann man preiswert die asiatische Küche genießen, aber die Qualität ist hier auch sehr unterschiedlich. In Murray-Hill (Curry-Hill) hat sich inzwischen eine gute Zahl an Indischen Lokalen etabliert, die auch zu moderaten Preisen ausgezeichnetes Essen servieren. Ja, und dann sind da natürlich noch die vielen amerikanischen Bar´s und Steakhäuser. Hier macht man selten was falsch, wenn man sie nicht gerade um den TimesSquare herum besucht. Wer gutes kosheres Essen oder fantastische russische Küche sucht, der fährt am besten nach Brooklyn. Und die besten Pizzen dieser Stadt gibt es nicht unbedingt nur in Little Italy. In der Bronx (no fear) ist das größte italienische Viertel, nämlich Belmont, beheimatet. Hier wird noch richtig italienisch gekocht. Ja und schlussendlich landen wir möglicherweise in Harlem, wo es ausgezeichnete Südstaatenküchen zu testen gilt.


Bild: © Ellja

Das auffälligste in NYC ist, die wenigsten kochen da wohl selbst, das meiste wird bestellt oder im Deli geholt oder auch schon fertig zubereitet in den Supermärkten gekauft, und das ist rund um die Uhr, auch die ganze Nacht, möglich. Auch eine Bestellung ins Hotel ist gar nichts ungewöhnliches, sondern ganz normal. Obwohl... es gibt wirklich tolle (Bio)Ware, z.B. bei Wholefood´s market (eine Kette, mehrere Standorte), aber auch da gibt es ausladende Buffets mit warmen Speisen zum Mitnehmen, dabei lacht das Gemüse so schön aus den Regalen. Da wären dann noch Zabar´s, Dean&Deluca oder für besondere Feinspitze der Chelsea Market. Hier gibt es alles zu kaufen, was es weltweit gibt, feinste Ware für den Gourmetkoch, alles natürlich ein bisserl teurer.


Bild: © Ellja

Als letztes möchte ich noch eine große Sache ansprechen: Den HOT_DOG! Was ist denn eigentlich wirklich dran an dem labbrigen Brötchen mit dem kümmerlichen Würstel in der Mitte? Eigentlich nichts! Er schmeckt nicht besonders toll, wenn man ihm nicht ein ordentliches Topping (siehe Nathan´s - der beste) verpasst. Die Würstel schmecken fade und wer unsere Frankfurter (oder Wiener) kennt und sich dabei langweilt, kann damit schon gar nichts anfangen. Die Brötchen sind weich und pampig. Aber... Er gehört einfach zu NewYork. Und darum muss man ihn wenigstens einmal gegessen haben. Mehr ist da wirklich nicht dran, aber auch nicht weniger.

Einige persönliche Highlights und Tipps gibts demnächst in Teil III.

Kommentare:

lamiacucina hat gesagt…

häufig eingekauft haben wir seinerzeit in der deutschen Metzgerei Schaller & Weber in der 86th Street. Gutes Schwarzbrot, Fleisch und Wurstwaren wie zuhause :-)

Ellja hat gesagt…

@lamiacucina ja, den gibts immer noch, es liegt in yorkville, dem ehemals deutschen viertel :-)

katha hat gesagt…

jawohl, zabar's, da werde ich ja richtig wehmütig! und auf teil III bin ich schon neugierig. pastrami kommt gar nicht vor bis jetzt, absicht?

Schnuppschnuess hat gesagt…

Hmm, ich will dahin!

Ellja hat gesagt…

@katha zu pastrami kommt noch was, allerdings sind die fleisch-brote längst nicht so verbreitet, wie man denken möchte, grade mal eine handvoll guter lokale, sie prägen jedenfalls das stadtbild nicht, darum eher erst in meinen tipps zu finden ;-)

@schnuppschnuess dann mal los, oktober ist die beste zeit dafür ;-)

Christina hat gesagt…

Ein schöner kulinarischer Bericht! Leider war ich noch nie in NYC :-(

Ellja hat gesagt…

Danke Christina, das hat schon der Herr Jürgens gesungen ;-)