2009/11/19

Erdäpfelnudeln



Bild: © Ellja

Ganz mühlviertlerisch und sauguat: Erdäpfelnudeln mit Eierrahm und Speckkrautsalat

Ja, und außerdem recht simpel, ist ja nur Kartoffelteig, der zu Nudeln gewuzelt wird und mit Butterschmalz im Ofen braun gebacken. Ei mit Rahm und Gewürzen verquirlen und 10 Minuten vor Backende über die Wuzerl kippen, bis das Ei stockt, weiterbraten.


Bild: © Ellja
Kraut hobeln, gut einsalzen und mit Kümmel und Wasser kurz aufkochen. Speckwürfel in der Pfanne zerlassen und mit etwas Essig ablöschen. Dann mit dem gekochten Kraut vermischen. Fertig!

Mehr Zeit hat(te) man im Mühlviertel auch nicht, wenn man nachher gleich wieder aufs Feld raus ging... es musste schnell gehen, satt machen und vor allem viel Energie liefern - so hab ich das jedenfalls kennengelernt, und um schon wieder meine Kindheitserinnerungen zu strapazieren: so manch andere Bauernkost hab ich - durch meine Freundinnen animiert- sehr lieben gelernt.

Ganz simple Dinge, wie ein Stück Schwarzbrot am Holzofen schwärzen und dann mit Butter dick bestreichen (Acrylamid!). Ganz frischen Most direkt aus dem Fassl heimlich im Mostkeller trinken (Alkohol!). Frische Grammeln aus der Speis klauen und am Dachboden knabbern (tierisches Fett!). Ribiselmarmelade aus dem Glas schlecken (Zucker!). Ja, ich hatte alle Vorkehrungen für ein gesundes und ausgewogenes Ernährungsleben schon früh getroffen. Leider habe ich dem Mühlviertel später doch einmal den Rücken gekehrt und in der Provinzstadt mit Salat und so Zeugs angefangen, sodass mein frühkindliches Ernährungskonzept nicht ganz aufgegangen ist.

Aber eines hab ich schon noch immer: so einfache, bodenständige Küche mag ich gerne, mit etwas mehr oder weniger Fett, Alkohol oder Zucker, egal. Hauptsache, es schmeckt!

Nur... im Moment muss ich meinen Kalorienkonsum etwas bremsen, verflixte Realität ;-).

Hier auf Wunsch noch das genaue Rezept nachgeschoben:
ca. 1 kg Kartoffeln
120 g Mehl
20 g Gries
1 Ei
Salz
1 Becher Sauerrahm
1 Ei
Salz, Pfeffer, zerstoßener Kümmel
Butterschmalz


Die Kartoffeln in der Schale kochen. Anschließend schälen und durch eine Kartoffelpresse drücken. Mit Mehl, Grieß, dem Ei und etwas Salz möglichst rasch zu einem glatten Teig verarbeiten. Den Teig in mehrere Teile schneiden. Davon Rollen formen und diese wieder in kleine Stückchen schneiden. Jedes dieser Stückchen auf einem bemehlten Brett zu kleinen fingerlangen, gespitzten Nudeln formen. Eine feuerfeste Auflaufform mit viel Butterschmalz ausfetten. Im vorgeheizten Backofen bei 180°C ca. 45 Min. goldgelb backen. Kurz vor Ende der Backzeit das Ei mit etwas Milch und Salz, Pfeffer und Kümmel verquirlen. Zusammen mit dem Sauerrahm über die Nudeln gießen und so lange im Backrohr braten, bis die Ei-Rahm-Masse stockt.

Varianten gibts mehrere:
- Erdäpfelnudeln ohne Ei, nur gebraten und mit Kompott serviert (süß) oder mit Salat (pikant)
- Erdäpfelnudeln gekocht und mit Mohn-Butter-Zucker-Mischung (Mohnnudeln)
- Erdäpfelnudeln mit Semmelbrösel und Butter (Bröselnudeln) pikant oder süß
- Erdäpfelnudeln als Schupfnudeln zu Fleisch (Eline macht das so)
- Erdäpfelnudeln in der Pfanne (vor)gebraten mit Rotkraut (Katha machts so)

Kommentare:

katha hat gesagt…

erdäpfelwuzerl, juhu! die habe ich schon so lange nicht mehr gegessen! und ob du's glaubst oder nicht, seit wochen will ich welche machen, weil's jetzt endlich wieder gscheite erdäpfel gibt.
kennst du auch die zweite (kalorienärmere...) variante? die wuzerl nur aussabochn und blaukraut dazu? ich mag beide. und wie!

katha hat gesagt…

ps: willst uns dein erädpfelteigrezept verraten?... und mit rahm beim überbacken ist sauerrahm gemeint, stimmt's? (wir backen sie übrigens in der pfanne- natürlich in butterschmalz - heraus und dann kommen's erst zum überbacken ins rohr.)

Eline hat gesagt…

Da dürften wir ähnlich aufgewachsen sein, Ellja. Ein Laib Schwarzbrot, Omas riesiger grau-blauer Schmalztopf und Himbeer-Ribiselsaft stand allen Kindern in unserer Gegend zur Verfügung, wenn wir vom Spielen hungrig und durstig waren. Nie war die Türe abgeschlossen. Und wenn die Bäuerin, bei der alle Kinder Milch holten, Erdäpfelnudeln gebacken hat (in Schweineschmalz!!), wussten es irgendwie auch alle Kinder und saßen am Tisch - und das ohne SMS! Danke für dieses Gericht. Ich mache Erdäpfelnudeln immer noch gerne, allerdings meist als ganz kleine Schupfnudeln zu Fleisch. Jetzt sollten durch deine wunderbare Anregung aber auch mal "echte" auf den Tisch. Wir aßen sie immer zuerst mit Kraut (auch Sauerkraut) und zum Schluss welche ohne Eiermilch mit Kompott.

Isi hat gesagt…

Das ist so gemein...das schaut so unverschämt lecker aus. Aber über dein Rezept für den Kartoffelteig würde ich mich auch freuen. Und "wuzeln" ist - seit ich es bei Eline gelernt habe - mein österreichisches Lieblingswort. Schön, dass es mal wieder auftaucht.

Ellja hat gesagt…

katha, rezept schon eingestellt. Ich mag die wuzerl auch ohne Ei-Rahm, wir haben sie am nächsten Tag mit Kompott gegessen, göttlich!

Eline, zu Fleisch hab ich sie noch nie gemacht, aber die mit Kompott (sieh oben) kenn ich auch gut und mag sie gerne. Ich muss schon sagen, dass ich froh bin, dass ich im Mühlviertel aufgewachsen bin. Dadurch, dass es bei mir daheim ganz anders zuging, weil meine Großeltern ja zugereist waren, hab ich so gerne bei meinen Freundinnen ja, fast gelebt, weil für Kinder was "anderes" ja so spannend ist. Das Erdige an der Bauernküche hat mich immer magisch angezogen *hihi

Ellja hat gesagt…

Isi, schon geschehen. Mein Lieblingswort bei den Deutschen ist z.B. "tröge" hihi

Arthurs Tochter hat gesagt…

Ellja, "tröge"? Was ist das denn für ein Wort? Das kenne ich nicht. Ich kenn nur "dröge". Dachte erst, Du meinest den Indikativ präsens von "trogen", aber der heißt "troge" nicht "tröge". Hihi, babylonisch-österreichisches Sprachgewirr. Gefällt mir. "Wuzeln" - herrlich! Isi, das Wort ist klasse!

Ich kenne nur die normalen Schupfnudeln, mit Kraut und Speck. Sind Eure Wuzeln so etwas Ähnliches? Aus Kartoffeln mag ich alles, außer Brot. Als wir von Hannover ins Rheinland zogen, habe ich den "Dibbekooche" kennengelernt, den müsste ich eigentlich mal machen. Auch so ein einfaches "Einfache Leut" Essen. Ich mag das sehr!

katha hat gesagt…

da warst aber schnell. danke!
weil grade anderswo über teige dischkeriert wird (noch so ein schönes wort): hast du den erdäpfelteig auch mit erdäpfelmehl statt weizenmehl ausprobiert? da gibt's nämlich auch recht strenge meinungen dazu. (meine oma hat aber auch immer weizenmehl genommen.)

Claus hat gesagt…

Boah, geil, Hammer, mal wieder was exotisches. Das probier ich aus. Und zwar mit gebratener Blutwurst. Mühlviertel meets Mittelrhein...

Ellja hat gesagt…

AT, naja, "dröge" halt dann ;-)

katha, nix kartoffelmehl, ich mach das mit weizen.

claus, blunzn passt sicher dazu!

Eline hat gesagt…

Es gibt die Theorie, das die Erdäpfelnudeln mit Kartoffelmehl besser werden als mit anderer Stärke als Zugabe - nachzulesen bei Lamiacucina, ich glaube anlässlich von Gnotschi ;-)
Ich nehme bei den kleinen Schupfnudeln auch gerne Kartoffelmehl, aufgrund der geringeren Garzeit. Die Bäuerinnen nahmen immer nur Weizenmehl. Gries gaben die nie dazu. Dafür hatten die immer sehr mehlige Erdäpfel im Dämpfer gekocht (dort wurden auch die Sauerdäpfel gedämpft)
Mein deutsches Lieblingskochwort ist "fluffig", mein Unwort "schlotzig".

Ellja hat gesagt…

AT, ja, ich glaub, das ist dasselbe wie eure Schupfnudeln.

Eline, Gries ist sicher dafür da, dass der Teig hält und nicht so viel Mehl nötig ist. Gute wirklich mehlige Erdäpfel brauchen das sicher nicht.

Arthurs Tochter hat gesagt…

soso Eline, "schlotzig" ist also Dein Unwort! *grummelgrummelgrummel*
Du hast es selbst herausgefordert mit Deiner Rosmarinpolentacreme! ;))

lmiacucina hat gesagt…

Diese Nudeln bedürfen keiner Gnocchi-Verbesserung. Ich werde sie nach diesem Rezept nachkochen. Schwäbische Schupfnudeln kennt man hier auch, aber ich hab noch nie welche gemacht. Ich hab auch so gern direkt aus dem Zapfschlauch des Fasses Most getrunken.

weltbeobachterin hat gesagt…

also daheim tun wir die desöfteren auch mit Rahm übergießen.

Erdäpfelnudeln mag ich sehr gerne.

kochend-heiss hat gesagt…

Als scheinbar einzige in dieser Runde habe ich davon noch nie was gehört...könnte mir aber schmecken.

Nicky hat gesagt…

Bei uns gibt's meistens Schopperla und gehören zu meinen allerliebsten Oma-Rezepten. Deine überbackene Variante gab's allerdings auch, nur waren die dicker und so lang wie die Reine, in der sie gebacken wurden. Schon viel zu lange nicht mehr gemacht...

Houdini hat gesagt…

Deine Sprache gefällt, die Erdäpfelnudeln auch, und da noch viele eigene Herdöpfel, wie wir sagen, um dies auch gesagt zu haben, im Keller lagern, liegt das Rezept jetzt ausgedruckt vor mir zum Nachkochen.

Ellja hat gesagt…

Robert, hihi... ich stell mir das grade vor, du und der Zapfschlauch!

Weltbeobachterin, die muss man einfach mögen, mit oder ohne Rahm

mareen, Schupfnudeln kennst auch nicht?


Nicky, Schopperla klingen herzig, ja, das ist glaub ich genau dasselbe!

Houdini, erzähl mal, wie sie geschmeckt haben

entegutallesgut hat gesagt…

Jössas, da geht die Post mit den Erdäpfelnudeln ab.
Ich kenn sie ja nur als Mohnnudeln (hab ich die schon einmal in den Blog gesetzt? kA)
Endlich ein Mühlviertler Rezept.
so überbacken werde ich sie auch probieren! :)

kitchen roach/galley roach hat gesagt…

habe bei Houdini von den Wuzerln gelesen..ich schliesse mich kochen-heiss an, hatte noch nie von denen gehoert. die sehen aus wie grosse Schupfnudeln und sehen sehrrrr gut aus.

Ellja hat gesagt…

Ente, ich glaub, die Mohnnudeln hab ich mal bei dir gelesen, sind auch zum wahnsinnig werden, guuuuuttt!

kitchen roach, genau, wie Schupfnudeln!