2009/11/18

Gesehen: Antichrist



Ich bin ja sehr hart im nehmen, darum hab ich ihn mir auch angeschaut. Antichrist ist ein irreführender Titel - das mal schon vorausgeschickt. Worum es in diesem heiß umstrittenen Lars von Trier-Film geht, ist ganz kurz dargestellt: ER und SIE verlieren den gemeinsamen Sohn auf tragische Weise. Trauer, Schuldgefühle, Depression lassen SIE nachher nicht zur Ruhe kommen. ER ist Therapeut und kommt auf die wahnwitzige Idee, seine Frau selbst therapieren zu wollen/können. So fahren beide an einen einsamen Ort, in eine kleine Holzhütte des Paares in einem Wald, der sich "Eden" nennt. Dort meint er, könne er ihre tiefsitzenden Ängste lösen. Geht aber alles ziemlich schief. Schlimmer noch als bei Adam und Eva. Und endet in einigen Verstümmelungsszenen, die ganz schön an die Nieren gehen könnten. Was aber bei mir nicht sehr der Fall war.

Man mag jetzt über die Gewaltszenen und den bekannten Vorwürfen, dass Herr von Trier in seinen Filmen nur seine eigene tiefe Depression verarbeitet, denken was man will. Aber was ich sagen kann ist, dass ich, was sein Vermögen, Stimmungen zu erzeugen, im Zuseher etwas bestimmtes durch seine Bilder hervorzurufen anbelangt, ganz schwer begeistert war. Schon der Prolog mit dem schönen Händel-Stück "Lascia ch'io pianga" unterlegt, ist das beste, was ich in letzter Zeit an Filmkunst genießen konnte.

Wie der Lars weiters den Wald als Naturschönheit und gleichzeitig als grausamen Ort von Sterben und Werden darstellt, diese ganze Symbolik, war für mich großartig umgesetzt.
Selbst die Hauptdarsteller Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg haben sich auf beste Weise an den Rand ihrer vollen Schauspielkraft gespielt, also eine wirklich ausgezeichnete Besetzung.
Warum mich der Film also von seinen Gewaltszenen her gar nicht berührt hat?
Weil er mir zu sehr Kunst war. Und in der Kunst ist ja vieles grausame ganz leicht erträglich...

Wer im Film allerdings auf Erlösung hofft, wird enttäuscht. Die gibt es nicht!

Gegessen wird im Film übrigens auch so gut wie nicht, ganz am Ende des Films ein paar Beeren. Also ganz sicher nix für Genießer ;-).

Kommentare:

Eline hat gesagt…

Das find ich toll, dass du auch Filme rezensierst! Ich gehe sehr gerne ins Kino, aber nur in unsere beiden kleinen. Aus Zeitmangel allerdings selten. Lars van Trier ist nicht so mein Fall, und deine Beschreibung bestätigt das. Depressive Beziehungsgeschichten halte ich nicht aus. Und Gewaltszenen nur a la Tarantino.

Arthurs Tochter hat gesagt…

Ein Film, den ich unbedingt sehen möchte. Vor einigen Wochen wurde er bei ttt - Titel, Thesen, Temperamente vorgestellt. Gut dass Du mich erinnerst, ich muss gleich mal recherchieren, wo ich ihn sehen kann.

Wir haben am Sonntag 2012 gesehen, lautes Popcornkino, nette Unterhaltung aber eine Rezension lohnt der nun nicht ;)

Ellja hat gesagt…

ja, Eline, ich geh auch am liebsten in die Steininger-kinos, aber doch relativ häufig.

AT, ich hab schon gehört, dass bei 2012 Emmerich wieder mal mehr auf die Action achtet, als auf inhaltliche Tiefenschärfe. Aber zu der Thematik kommt bald was besseres: The road. Der wird gut, genauso wie das Buch von Cormac Mc Carthy!

katha hat gesagt…

genau. mit viggo mortensen als vater. und darauf freue ich mich auch schon, wenngleich das eine ziemlich düstere angelegenheit werden wird.

Claudio hat gesagt…

Wollte schon ganz süffisant fragen: Und was gabs zum Essen? Da verratest du das am Schluss einfach beiläufig. Gemein.

Isi hat gesagt…

Hmmm, bin jetzt hin und hergerissen, ob ich gehen sollte. Trier ist eigentlich auch nicht so mein Fall und depressives schon gleich gar nicht. Aber der Kunst folge ich schon gerne...

Ellja hat gesagt…

katha, viggo gefällt mir nur im herr der Ringe, aber ist trotzdem okay, wenn er die rolle übernimmt ;-)

claudio, ätsch

Isi, da kann ich dir keinen Rat geben, weil ich düstere, depressive, böse und grauslige Filme mag ;-)...

Arthurs Tochter hat gesagt…

Viggo in "Tödliche Versprechen" oder "A History of Violence" - Obergranatenmäßig geil!
Und in "Hildalgo" mochte ich ihn auch. Und sein Pferd! :)

katha hat gesagt…

ich mag ihn immer. sehr sogar. im von arthurs tochtern erwähnten film "eastern promises" (tödliche versprechen, cronenberg) gemeinsam mit armin mueller-stahl ganz besonders. hidalgo hat er nach dem dreh übrigens gekauft, genauso wie das pferd aus dem herrn der ringe...
@at: a walk on the moon gemeinsam mit diane lane. kleiner, feiner film.