2010/04/21

So Sachen. Mit Liebe.


Bilder: © Ellja

Es gibt ja so Sachen. Die machen einen ganz verrückt, ja süchtig. Die will man dann auch andauernd haben. Und kommt fast ins Schwitzen, wenn es nicht in greifbarer Nähe ist.

Das ist wie "sich verlieben". Man entdeckt "so Sachen" irgendwie, irgendwo. Meistens dann, wenn man gar nicht damit rechnet. Dann ist man ganz aus dem Häuschen. Warum musste ich so lange darauf warten? Dann - nach ein paar ungläubigen Momenten - schwelgt man in totaler Begeisterung mit seiner neuen "Liebe". Dauernd will man sie haben, immer wieder auskosten. Ganz euphorisch macht einen das Gefühl. Man kann sich gar nicht satt daran essen. Und man denkt, das bliebe nun für alle Zeit so. Na, aber irgendwann schleicht sich so ein Gefühl ein. "Das war doch am Anfang sooo schön, warum ist das jetzt nicht mehr so?". Man beginnt, sich zu fragen, warum man plötzlich nicht mehr so gierig darauf ist. Langsam gesteht man sich ein, dass einem von "zuviel davon" sogar übel wird. Die Begeisterung flacht etwas ab. Man beginnt sich andernorts umzusehen. Probiert neues aus. Und wendet sich dann möglicherweise gänzlich ab.

Das ist wie "sich verlieben"... . Aber davon rede ich ja gar nicht ;-). Hier gehts um Gusto(s).

Bei mir sind es im Moment karamellisierte Nüsse! Ach, wie wundervoll! Ich muss nur wirklich aufpassen, dass ich ihnen nicht bald überdrüssig bin (was garantiert passieren wird). Eine jahrelange große Liebe war die Avocado. Die konnte wirklich alles schlagen. Inzwischen zu einer zeitweiligen Geliebten geworden. Mehr und mehr komme ich der Artischocke näher.... hier scheint sich was großes zu entwickeln. Vielleicht sogar was fürs Leben? Eine ebenfalls bereits verflossene - Caramell-Panacotta - sorgte lange Zeit für süße Momente, inzwischen zu süß. Heimliche Lieben, denen man nicht ungehindert fröhnen kann, wie einer fantastisch gebratenen Blutwurst oder anbetungswürdigen sauren Nierchen (der Nebenbuhler erträgt es nicht). Treue Liebschaften haben bei mir immer mit Fleisch zu tun: Steaks, Braten, Gesottenes, Geschmortes, purinhältig und saftig rosig.

Leider gibt es auch die, die es nie mehr an den heimischen Herd schaffen. Abgelegte Liebhaber, die keine Rückkehr mehr erwarten dürfen. Penne mit Schinken und Sahne - niemals wieder in meinem Haus! Das ist für alle Zeit aus und vorbei! Wie konnte ich daran nur Gefallen finden? Große Entrüstung ebenfalls bei Letscho. Es schüttelt mich, wenn ich daran denke. Wie konnte das jemals passieren? Ich schäme mich.

Und jene, die es noch nie geschafft haben, wie rote Bete/Rübe (allein im Borscht erlaubt) oder Cremespinat. Gegrillte/gebratene Hühnerbrust - oh nein! - um nur wenige zu nennen, sollten auch nicht ganz unerwähnt bleiben.

Aber lassen wir die Vergangenheit ruhen. Ich bin ganz glücklich im Moment mit meinen karamellisierten Nüssen.... und einem Stück Lauch-Speck-Kuchen ebenfalls. Denn dies ist seit einigen Wochen meine zweite Geliebte... wie konnte ich das so lange Zeit übersehen? Wo sie doch so wunderschön und wohlschmeckend ist?

Was in der Liebe eher nicht erlaubt ist, ist beim Essen so richtig erwünscht: häufiger Partnerwechsel! Gell?

Kommentare:

Arthurs Tochter hat gesagt…

Schon bevor ich Deinen letzten Satz las, dachte ich das Gleiche! ;) Viele Geliebte zu haben ist in diesem Fall sehr salonfähig. Bei mir gehört Sushi nach ganz vorne. Da kannst Du mich nachts für wecken, das durfte bis jetzt längst nicht jeder (Geliebter) ;)

Petra hat gesagt…

Mir gefällt das, wenn jemand ein sinnliches Verhältnis zum Essen hat. Der Vergleich mit Liebe ist da gar nicht so weit hergeholt, bei gutem Essen werden ja durchaus auch Glückshormone freigesetzt.

Eline hat gesagt…

OK, dann bin ich also nymphomanisch ;-)
Macht Spass, dieses Text zu lesen!!

Kommando Mardermann hat gesagt…

ach elja, ein bisschen hab ich mich in deine texte verliebt, die reinste poesie, wie du so fürs essen daherschwärmst...
tja, und wenn ich so nachdenke, glaub ich, dass pasta und ich schon vor jahren einen bund fürs leben eingegangen sind. wir sehen uns fast täglich, tun uns manchmal nicht wirklich gut, verzeihen alles, versuchen's wieder neu, erleben langweiligen alltag genauso wie die highlights miteinander und und und...

Houdini hat gesagt…

Ich habs da wie Du, ich vernasche gerne mal was anderes, oh, sorry, dem sagt man vielleicht naschen und nicht ver... Die Lauchquiche bringt es mir eher als die karamellisierten Nüsse, die würden bei mir eher abblitzen.

Ellja hat gesagt…

AT, Sushi war mal, inzwischen bin ich davon nicht mehr sooo begeistert.

Petra, stimmt, die Glückshormone beim Essen sind allerdings verlässlicher ;-)

Eline, austoben erwünscht

Kommando, das mit der Pasta kenn ich auch sehr gut, kann dir nachfühlen :-)


Houdini *hihi*... naschen oder vernaschen, hauptsache es macht Spaß

Suse hat gesagt…

Als Kind war ich noch ganz unverbraucht und bescheiden. Mir reichten da einige wenige Liebschaften, manch einer mag das als krüsch oder mäklig bezeichnen.
Mittlerweile ist fast nix mehr vor mir sicher.
Manchmal ist das schon ganz schön anstrengend, zumal ich die wenigstens Liebschaften der Vergangenheit abgelegt habe.

Christina hat gesagt…

Eine schöne Hommage an die Sinnlichkeit u.a. karamellisierter Nüsse! Hat mich glatt überzeugt - obwohl ich ja bisher den Honig-Salz-Nüssen verfallen war. Hm, aber da ja hier wie gesagt auch mehrere Partner nicht verwerflich sind, nehm ich doch beide ;-)

lamiacucina hat gesagt…

die Matrosen haben das auch so, in jeder Hafenstadt eine andere Geliebte. Und alle verstehen das.

Isi hat gesagt…

Ich nasche auch gerne mal hier mal da. Mal sind es nur kurze Flirts und ich stelle fest, dass es nichts für mich ist. Dein Text macht viel Spass

Ellja hat gesagt…

Suse, das stimmt, meistens kommen mehr neue Liebschaften hinzu, als man sich alter entledigt.

Christina, Honig-Salz-Nüsse könnten mir auch munden...

Isi, freut mich.

George hat gesagt…

Beim Essen habe ich einen festen Harem, in dem es aber auch vorkommen kann daß mal Neuzugänge dazukommen ;)

Rote Bete find ich übrigens auch grausig, sogar im Borschtsch, weil ich den auch nicht mag...