2012/09/15

Reiwaschedl oder Döppekooche?

Bilder: Ellja




























Oder doch einfach nur Kartoffelauflauf? Frau Weltbeobachterin hat einst ein Rezept zum Mühlviertler Reiwaschedl eingestellt, das mir für ein frühherbstliches Alltagsessen geradezu geschaffen scheint. Und da die Hessen und Rheinländer, die unseren Reiwaschedl Dippedotz oder Döppekuchen nennen,  ihn gerne mit Apfelmus essen, und ich gerade mit Gravensteinern aus dem Obstgarten meiner Kollegin ein allerherrlichstes Ofenapfelmus gekocht hatte, ja deshalb...


... gab es das bei uns einfach alles zusammen, nicht nach Mühlviertler sondern nach Hessen-Art!

Reiwaschedl auf Ellja-freestyle-Art:

3/4 kg Kartoffeln, mehlig
1 1/2 Zwiebeln
2 x 1 cm Schinkenspeck
2 Semmeln
Milch/Schlagobers
2 EL Butterschmalz
Salz, Pfeffer, Kümmel
2 EL Sauerrahm

Die Kartoffeln schälen, reiben, ausdrücken.
Die Zwiebel fein hacken. Den Schinkenspeck in kleine Würfel schneiden.
Die Semmeln in eine Milch/Obers-Mischung legen.
Das Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und zuerst Zwiebeln goldgelb rösten, dann Speck hinzufügen und alles nur noch kurze Zeit durchschwenken.
Jetzt die Kartoffeln mit der Zwiebel-Speck-Mischung, den Semmeln und dem Sauerrahm gut vermischen, alles würzen und in einen Topf oder eine Auflaufform geben.

Im Backofen bei 180 Grad ca. 40 - 50 Minuten backen. Jedenfalls so lange, bis die Kartoffeln durchgebacken sind und der Auflauf oben eine schöne Kruste bildet.


im Ofen gebackenes Apfelmus:

2 kg Äpfel (Gravensteiner), geschält, entkernt und geviertelt
1 große Zimtstange in 2 Teile brechen od 2 kleine Zimtstangen
4 Stk. Nelken, 1 Macisblüte,  2 Pimentkörner in einem Gewürzsäckchen

Die Äpfel in eine Tajine-Form schichten, die Gewürze einlegen und Deckel drauf.
Im Backofen bei 160 Grad einige Stunden (bei mir waren es 3 Stunden) backen. Die Äpfel sind zu Mus zerfallen und karamellisieren. An der schönen braunen Färbung und wenn am Topfrand sich bereits dunkle Ränder zeigen erkennt man, dass das Mus fertig ist.

Das Mus in Gläser füllen und einkochen (Großer Topf kochendes Wasser, Gläser reinstellen, mit Wasser bedecken und 30 Minuten sieden lassen).

Ich bin ja nicht so die große Einkocherin, aber wenn man einen Berg wirklich köstlicher Äpfel bekommt, muss man ja schließlich was schönes damit machen. Und da dieses Apfelmus, das ja schon jahrelang durch unsere Foodblogs geistert, keinen Zucker benötigt, ist es für so ein üppiges Essen geradezu ideal. Man spart so nämlich ein paar wenige Kalorien ein ... ja wenige, aber immerhin ein paar... ;-).





Kommentare:

marieluise hat gesagt…

Die vielen Namen haben mich erst unheimlich verwirrt, aber nachdem ich mir das Rezept durchgelesen habe klingt es doch sehr lecker!

Sybille hat gesagt…

So kenne ich Kartoffelauflauf noch nicht, ich glaube, das probier ich mal aus. Das Apfelmus mag ich ganz besonders!

Claus hat gesagt…

Fein! Aber kein Döppekooche! ;-)

Ellja hat gesagt…

marieluise, viele gerichte haben viele namen ;-)

Sybille, ich mag das Apfelmus am liebsten ganz pur, aber zum Auflauf hats auch ganz gut gepasst.

Claus, so? Ich hab das vor kurzem (3sat oder arte) im TV gesehen, da haben sie das genauso gemacht. Wo liegt denn der Unterschied?

weltbeobachterin hat gesagt…

oh, da kommt mein altes Rezept zu ehren, deine Interpretation gefällt mir ganz gut und dieses Öpfiko möchte ich auch probieren. noch dazu mit meinen absoluten Lieblingsäpfel.

weltbeobachterin hat gesagt…

PS: nachdem ich von daheim gewohnt bin es mit Apfelko zu essen, denk ich dass hessisch und mühlviertlerisch da ident sind. ;-)

Eline hat gesagt…

Reuwaschedl - ganz was Wunderbares. Ir gendwie sind die Linzerinnen auf dem nostalgischen Trip: Krautstrudl, Reuwaschedl .. stimmt schon auf den Herbst ein. Nichts gegen das Apfelmus, aber den Reuwaschdel fuer mich bitte mit Sauerkraut, so wie ich auch die Muehlviertler Erdoepfenudln mit Sauerkraut lieber mag als mit Oepfeko oder Zwetschkenkompott.
Apropos retro: heute gibt es bei uns Kalbsrahmgulasch mit Nockerl.

Ellja hat gesagt…

wb, echt woar? bei uns, also bei dir, isst man das auch mit apfelmus? hör ich zum ersten mal, aber hat uns auch geschmeckt.

Eline, mit Sauerkraut bin ich nicht so glücklich, aber einen warmen krautsalat find ich auch gut dazu.
aber stell dir vor, heute gibts mühlviertler rahmsuppe und zwetschgenknödel (zwar nicht gebacken, aber mit mohnbutter!) ;-) ich in sicher, das macht der nahende herbst, der uns so nostalgisch kochen lässt.

weltbeobachterin hat gesagt…

liebe ellja, es steht sogar ganz am Anfang - ab 2. Zeile im von meinem von dir verlinkten Text drinnen.
ich zitiere: "Gerade im Mühlviertel gedeihen die Erdäpfel hervorragend, weil ihnen das raue Klima taugt und der Boden sandig ist. Wenn es zu Erdäpfel-Speckgerichte noch Sauerkraut und Apfelkompott gibt, ist des Mühlviertlers Glück perfekt. Ja, nicht nur beim Chinesen gibt es Süßsauer."

weltbeobachterin hat gesagt…

ich zitiere aus meinem von dir verlinkten Text (ganz am Anfang) "Gerade im Mühlviertel gedeihen die Erdäpfel hervorragend, weil ihnen das raue Klima taugt und der Boden sandig ist. Wenn es zu Erdäpfel-Speckgerichte noch Sauerkraut und Apfelkompott gibt, ist des Mühlviertlers Glück perfekt. Ja, nicht nur beim Chinesen gibt es Süßsauer."
bei mir daheim ist es so üblich, da muss die Grenze ob mit Äpfel oder nicht zwischen unserer Heimatgemeinden verlaufen. Ich kenne Leute ostwärts davon und die kennens auch nur mit Sauerkraut. Bei mir in der Gegend ist man es so oder ich habe hessische und rheinländische Vorfahren, die das aufs Haus gebracht haben.

Ellja hat gesagt…

tatsächlich wb, und ich dachte erst, du meinst den tipp mit den apfelspeideln am Auflauf, denn das hab ich (jaaaahre her) auch schon gemacht ;-).

Claus hat gesagt…

Ist bei uns ein Heiligtum:
http://www.dlz-coc.de/wordpress/?p=3563
;-)

Ellja hat gesagt…

Claus, sehr viel unterscheidet uns da ja gar nicht, aber ich verstehe dein beharren gut ;-)

lieberlecker hat gesagt…

bei mir ist das herumgeisternde Apfelmus aus dem Ofen im letzten Winter erstmals aufgetaucht ... und ich finde es hammermässig. :-)
Liebe Grüsse aus Zürich,
Andy