2012/10/28

Versündigt euch!

Bilder: Ellja






























Am Sonntag geht man in die Kirche zum beten und beichten.
Danach ins Wirtshaus zum Frühschoppen.

Sodass daraufhin um Punkt zwölfe das Mittagessen auf dem Tisch steht.
Was gibts? Ein Bratl oder ein Schnitzl!

So oder so ähnlich kenn ich das jedenfalls aus meiner Kindheit am Land.
Jetzt geh ich schon lange nicht mehr in die Kirche. Und überhaupt nie geh ich zum Frühschoppen.
Aber gegen ein Sonntagsbratl oder - schnitzl habe ich trotzdem nichts einzuwenden.
Und wenn ich auch sonst nie beichten gehe, aber an dieser Stelle muss ich was beichten.
Hin und wieder versündige ich mich nämlich am selbigen, also am Sonntagsschnitzl!

Schuld daran ist meine Nachbarin, bei der gabs jeden Sonntag Schnitzel, auch dann, wenn es bei uns keines gab. Und der Duft von Butterschmalz und gebratenem Fleisch hat mich oftmals dazu verführt, bei der Nachbarin am Schnitzeltisch zu sitzen. Aber gar nicht so sehr wegen dem Schnitzel. Nein, nein, aber bei meiner Frau Nachbarin wurde als "Zuspeis" etwas serviert, das ich so gar nicht kannte. Bei uns nämlich gab es zu einem Schnitzel Petersilerdäpfel oder Risibisi und Salat: Gurkensalat, Tomatensalat, grünen Salat. Aber dort in der Nachbarsstube gab es außerdem noch Pfirsichkompott, nämlich das picksüße aus der Dose! Und zwar nicht als Nachspeis´, sondern - wie schon gesagt - als Zuspeis! Ja, und das war der eigentliche Grund, warum ich der Nachbarin ihr Schnitzel so geliebt habe.

Und wie das halt so ist mit Essen aus der Kindheit, gibt es auch heute noch zu meinem Sonntagsschnitzel ab und zu, wenns mich überkommt, Dosenpfirsiche und Gurken-Rahm-Salat.
Ich nehm jetzt auch die besseren im eigenen Saft. Und sie schmecken mir - wenn auch sonst zu gar nichts mehr - hier immer noch. Sicher hat der Teufel seine Hand im Spiel ...



Kommentare:

Michael hat gesagt…

Die Säkularisierung hat sich insgesamt als Erfolgsmodell herausgestellt. Weil: das Schnitzl bleibt (und die Dosenpfirsiche in Hergottsnamen halt auch ...)

Heike von Au hat gesagt…

Das allerallererste Eingekochte meines Lebens, grad mal 18 geworden und mit erstem eigenem Garten samt Pfirsichbaum inmitten der Großstadt ausgestattet:
Zuckersüße Pfirsiche!
Hast also meinen Sonntagssegen :)

lieberlecker hat gesagt…

hach, kann Sünde le.... äh ... gschmackig sein ;-)
Liebe Grüsse aus Zürich,
Andy

Sybille hat gesagt…

Ich wecke ja gerne ein und behaupte mal..nicht schlecht. Mein Sohn isst nach wie vor am liebsten Dosenpfirsiche... gerne auch mit Schnitzel!

Eline hat gesagt…

So einem Aufruf zur Suende folge ich Ex-Klosterschuelerin mit Freude! Es muessen ja nicht Dosenpfirsiche zum Schnitzel sein. obwohl: als Kind habe ich Dosenpfirsiche gerne gegessen. Z. B. im Reis Traut,annsdorf meiner Mutter, oder mit Preiselbeeren gefuellt zum weihnachtlichen Truthahnrollbraten. Oder als Jung-Hippie genossen: einfach so aus der Dose, beim Abschiedsfest Fest der Thunfischfischer- Kooperative auf Sithonia. Wenn ich Musik von Thedorakis hoere, denke ich an Dosenpfirsiche und stinkendeThunfischkoeder-Sardinen ;-)

katha hat gesagt…

haha! witzig, ich habe in der volksschule in der ausspeisung (obwohl nur wenige hundert meter von zuhause entfernt) immer am dienstag dort gegessen, weil da gab's grießschmarrn und dazu diesen fruchtcocktail aus der dose. am liebsten waren mir die pfirsichwürferln, danach kamen gleich die ananas. die kirschen hätte ich nicht gebraucht. was war da noch drin? birne und weintrauben? ich denke da lustigerweise sehr oft dran, vielleicht sollte ich ihn noch einmal essen, dann bin ich geheilt. pfirisiche mag ich aber manchmal auch noch gerne aus der dose, eher aus dem glas. vor allem dann, wenn das pfirsichkompott der schwiegermama (das beste überhaupt) aus ist. heuer leider schon der fall...

Die Küchenschabe hat gesagt…

ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder was aus der Kindheit mitschleppt, wo er sich wundert, dass ihm das heute noch schmeckt, oder? Wenn du mir knusprigen quadratischen Fisch und Erdäpfel-Mayonnaisesalat hinstellst, wär ich schon da (und da gibt's noch Schlimmeres ;-). Allerdings hat meine Mama die Mayonnaise selbst gemacht und zu mir immer gesagt "lass dir nicht einreden, das das schwer zu machen ist!"

weltbeobachterin hat gesagt…

grad am Samstag eine Obstschnitte gebacken - und als Fruchtbelag eben diese Pfirsiche genommen. Am liebsten habe ich ja die Dinger in den Pfirsichplunder von Mama. Auch die Ananasstückerl liebe ich. Aber ich hab schon ewig weder das eine noch das andere gegessen. Mit dem Fruchtcocktail kann man mich jagen. Gabs da in den frühen 90igern nicht mal eine Werbung mit der Jazz-Gitti, wo die Köche, eine komplizierte Nachspeise verhauten und richtigen Stress bekamen, Jazz-Gitti erschien mit der Dose und beruhigte. und die Gäste waren vom Obstsalat dann so angetan. Kann sich da noch wer erinnern?

Ellja hat gesagt…

Michael, hätten sie doch in der Kirche Pfirsichkompott verteilt anstatt der langweiligen Hostien ;-).

Heike, wow, mit 18 schon einen eigenen Pfirsichbaum. Ich finde ja, man bekommt schon sehr selten richtig gute Pfirsiche, die ess ich immer ganz frisch oder verbacke sie maximal.

Andy, hihi..genau!

Sybille, also gibts doch mehr, die diese Kombi kennen?

Eline, Reis Trautmannsdorf! So retro, dass ich laut lachen musste beim Lesen!

katha, grießschmarrn in der schulküche hab ich soooo geliebt, bei uns gab es immer selbst gemachtes Apfelmus von unserer Schulköchin Fanni. Ich fand immer, dass im Fruchtcocktail zuwenig kirschen und trauben waren, die hätten mir am meisten geschmeckt...

Küchenschabe, das stimmt, und den fisch, den würde ich auch noch essen, meine mama hat immer die viereckigen Dorschfilets gekauft, wenigstens aber selber paniert ;-). Aber es gab damals auch nix anderes zu kaufen, oder?

wb, ich kann mich an so eine werbung nicht erinnern, aber ich hab herzlich gelacht!
Hach, was so ein Kompott alles an Erinnerungen auslöst.... schön!

zumbackenverfuehrt hat gesagt…

wie die Küchenschabe schon sagte - jeder hat bestimmt so ein Kindheitsgeschmack, den man immer mitnimmt.
Damit mein Bruder und ich unsere Erbsen essen, wurde bei uns Apfelmus drüber gegeben.
Jedes Mal wenn ich jetzt noch Erbsen essen, wünsche ich mir Apfelmus dazu und mache es noch ganz häufig ;)
Und Pfirisch mit Schnitzel, kann ich mir so gut vorstellen, dass ich es doch glatt beim nächsten Mal ausprobieren werden :)
liebe Grüße
Aylin

Wilde Henne hat gesagt…

Abgründe allenthalben ;-)

Man sollte mal eine Umfrage über solche Abgründe machen. Ich bin überzeugt, da kommen Sachen zum Vorschein... *tsss* ;-)

Pssst: ich liebe Dosenpfirsiche. Und zwar am liebsten grad ganz aus der Dose. Von Hand rausgefischt und direkt in den Mund. Ich sag ja - Abgründe.

Anonym hat gesagt…

Eine Freundin von mir macht zum Schnitzel immer Apfelkompott.
Ich esse gerne auch so eine Pfirsichhälfte gefüllt mit Preiselbeeren zum Wiener Schnitzel, nicht nur zu Wildgerichten.
Und jetzt hätte ich gerne sofort so ein leckeres Schitzel :-)
Liebe Grüße - Ingrid

Ellja hat gesagt…

Aylin, was es alles gibt, find ich lustig!

Wilde Henne, ja, so eine Umfrage würde mich auch sehr interessieren! Da fallen mir schon selber einige Kuriositäten dazu ein ;-)

Ingrid, das mit dem Apfelmus kannte ich wiederum nicht, ich liebe aber Apfelkren zum gekochten Rindfleisch!

entegutallesgut hat gesagt…

pförscherer zum schnitzal geht gar nicht!

die ente ist empört. :-)

mein kinheitstrauma aus dem hort: zur paradeissauce ungefragt eine fuhre kristallzucker draufgeschüttet bekommen. da war mir klar, meine nachkommen müssen niemals im kindergarten ubd hort essen!

die deutschen essen APFELmus zum erdäpfelpuffer. fußnägel rollen sich bis zum anschlag auf!